Fabian Leendertz, Biologe und Veterinärmediziner sitzt an einem Schreibtisch.  Foto: Stefan Sauer/dpa

Greifswald: Neues Helmholtz-Institut soll Pandemien erforschen

Stand: 04.10.2021 11:50 Uhr

In Greifswald entsteht ein neues Zentrum für die Erforschung von Infektionskrankheiten und der Verbreitung von Seuchen. Wissenschaftler wollen herausfinden, unter welchen Bedingungen Erreger von Tieren auf den Menschen übertragen werden.

Im neuen Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald soll Gesundheit ganzheitlich betrachtet werden: "One Health", übersetzt "eine Gesundheit" steht dafür, menschliche Gesundheit, Tiergesundheit und die Umwelt zusammen in den Blick zu nehmen. Ziel ist es, mehr über die Übertragung von Erregern von Tieren auf Menschen zu erfahren. So sollen zum einen Verhaltensweisen von Menschen im Umgang mit Tieren untersucht werden. Zum anderen wollen die Wissenschaftler die globalen Verbreitungswege von Erregern unter die Lupe nehmen, die letztlich zu Pandemien führen können - wie bei der aktuellen Coronasituation. Auch bei der Corona-Pandemie wird von einer Zoonose ausgegangen - einer Tier-Mensch-Übertragung.

Renommierter Ebola-Experte soll Helmholtz-Institut leiten

Geleitet wird das Forschungszentrum von Fabian Leendertz, der vor kurzem noch am Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) gearbeitet hat. Der 48-Jährige hat zudem als Teil einer Mission der Weltgesundheitsorganisation zum Ursprung der Corona-Pandemie geforscht. Mit einem Team von Experten war er 2014 dem Ebola-Virus in Westafrika auf der Spur. Nun will er sich dafür stark machen, dass auch afrikanische Wissenschaftler in Vorpommern forschen und weltweite Daten auswerten. Das ebenfalls in der Region angesiedelte Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit begrüßt die Zusammenarbeit und setzt auf gemeinsame Forschungserfolge.

2014 verpasst Leendertz knapp die Sensation

Fabian Leendertz kam 2014 in Westafrika etwas zu spät, als er zusammen mit anderen Wissenschaftlern dem Ursprung des größten Ebola-Ausbruchs in der Geschichte auf der Spur war. Er und sein Team hatten die Epidemie bis zu einem hohlen Baum zurückverfolgt, der bei Kindern als Spielort beliebt, aber auch eine Fledermauskolonie war. Wahrscheinlich ist der Erreger dort auf den Menschen übergesprungen, so Leendertz Annahme. Es sei bis heute das plausibelste Szenario. Einheimische hätten allerdings nach Warnungen vor Fledermäusen den Baum abgebrannt. "Hätten sie den Baum nicht angezündet, hätte ich die richtigen Fledermäuse fangen können und wäre jetzt dermaßen berühmt", erinnert sich der Biologe und Veterinärmediziner.

Erste Laborarbeiten fürs kommende Frühjahr geplant

Neben Infektionskrankheiten und Zoonosen soll ein Fokus des Helmholtz-Instituts für One Health auf Resistenzen liegen, die etwa durch den Einsatz von Antibiotika bei Tieren und bei Menschen entstehen können. Mit dem Beginn der ersten Laborarbeiten rechnet der Institutsleiter im kommenden Frühjahr. Die Planungen und Vorbereitungen für einen Institutsneubau würden laufen.

 

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NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 04.10.2021 | 13:00 Uhr

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