Stand: 18.01.2020 10:45 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Gastronomen in MV sorgen sich wegen Fangquoten

"Fangfrischer Fisch" aus der Ostsee dürfte künftig sehr viel teurer werden, fürchten Gastronomen in MV. (Archivbild)

In Mecklenburg-Vorpommern sorgen sich Gastronomen zunehmend wegen der von der EU beschlossene Reduzierung der Fangquoten für Scholle, Dorsch und Hering. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit negativen Auswirkungen für das Geschäft, beispielsweise beim Ostseedorsch. Dieser Speisefisch darf nach der aktuellen Fangquotenreduzierung in der östlichen Ostsee so gut wie nicht mehr gefangen werden. In der westlichen Ostsee liegt die Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr bei 60 Prozent.

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Viele Fischer plagen wegen der niedrigen Fangquoten für Dorsch und Hering Existenzängste. Bei einer Informationsveranstaltung in Stralsund übten sie Kritik. Video (02:57 min)

"Fangfrisch" nur noch für sehr viel Geld?

Für die Gastronomie zwischen Elbe und Uecker war es in der Vergangenheit immer relativ werbewirksam, wenn man Fischgerichte mit den Worten "fangfrisch" oder "direkt vom Kutter" anpreisen konnte. Doch für Gastronomen wird das zunehmend zum Problem, sagte Matthias Dettman vom Dehoga-Verband Mecklenburg-Vorpommern zu NDR 1 Radio MV. Er habe das beispielsweise auf dem Fischmarkt in Rostock erlebt, wo es in der Dorschfangzeit keinen fangfrischen Dorsch gab. Wenn sich die Situation noch verschlechtere oder weiter manifestiere, wäre das vor allem für die Gäste im Land nicht schön. Der Preis für fangfrischen Fisch werde spürbar steigen. Davon sei er fest überzeugt, so Dettmann.

Vorschaubild für den Podcast "Hintergründe" auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

Ortszeit regional : Zukunft der Fischerei

NDR 1 Radio MV - Forum aktuell -

Aus dem Vorpommernstudio in Greifswald berichten NDR Reporter täglich ab 5.30 Uhr im Landesprogramm von NDR 1 Radio MV, für andere NDR Programme und die gesamte ARD.

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Viel Dorsch kommt schon jetzt aus dem Nordpolarmeer

Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels teilt diese Auffassung nur zum Teil. Denn bereits jetzt stamme der Großteil der verzehrten Dorsche nicht aus der Ostsee, sondern aus dem Nordpolarmeer, so ein Sprecher auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV. Das Einzige, was wohl zukünftig verschwinden werde, seien die werbewirksamen Verkaufsargumente wie Frische oder Regionalität - und natürlich viele Berufsfischer, die den richtigen Ostseedorsch gefangen und damit ihr Geld verdient haben.

Fischer vor dem Aussterben?

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sind die Fangmengen für Dorsch und Hering laut Landwirtschaftsministerium um 90 Prozent gesunken. Gab es 1991 noch rund 960 hauptberufliche Fischer in Mecklenburg-Vorpommern, so sind es Ende 2019 nur noch 212. "Die Anzahl der Fischereibetriebe hat ihren historischen Tiefpunkt erreicht", sagt Fischer Andreas Schöntier aus Sassnitz. Jede Kegelrobbe werde geschützt, jeder Wolf gestreichelt. "Jetzt sind wir die, die auf der Roten Liste stehen."

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Die EU-Fischereiminister haben finanzielle Hilfen für alle Fischer der Ostsee beschlossen. Grund sind die Einschnitte bei den Fangmengen für Hering und Dorsch im kommenden Jahr. mehr

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Quotendruck und Klimawandel - Fischerei in MV vor dem Aus?

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Schon einmal waren die Fischer in großer Not: Vor 100 Jahren hatte die Reichsverwaltung einen dreijährigen Fangstopp verhängt. Aus Fischern wurden damals Teppichknüpfer. Welche Alternativen gibt es für den Berufsstand heute? Video (14:57 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 18.01.2020 | 12:00 Uhr

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