Stand: 18.01.2020 10:45 Uhr

Gastronomen in MV sorgen sich wegen Fangquoten

Zwei Fischer heben eine Kiste mit Hering an. © dpa - Bildfunk Foto: Stefan Sauer
"Fangfrischer Fisch" aus der Ostsee dürfte künftig sehr viel teurer werden, fürchten Gastronomen in MV. (Archivbild)

In Mecklenburg-Vorpommern sorgen sich Gastronomen zunehmend wegen der von der EU beschlossene Reduzierung der Fangquoten für Scholle, Dorsch und Hering. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit negativen Auswirkungen für das Geschäft, beispielsweise beim Ostseedorsch. Dieser Speisefisch darf nach der aktuellen Fangquotenreduzierung in der östlichen Ostsee so gut wie nicht mehr gefangen werden. In der westlichen Ostsee liegt die Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr bei 60 Prozent.

"Fangfrisch" nur noch für sehr viel Geld?

Für die Gastronomie zwischen Elbe und Uecker war es in der Vergangenheit immer relativ werbewirksam, wenn man Fischgerichte mit den Worten "fangfrisch" oder "direkt vom Kutter" anpreisen konnte. Doch für Gastronomen wird das zunehmend zum Problem, sagte Matthias Dettman vom Dehoga-Verband Mecklenburg-Vorpommern zu NDR 1 Radio MV. Er habe das beispielsweise auf dem Fischmarkt in Rostock erlebt, wo es in der Dorschfangzeit keinen fangfrischen Dorsch gab. Wenn sich die Situation noch verschlechtere oder weiter manifestiere, wäre das vor allem für die Gäste im Land nicht schön. Der Preis für fangfrischen Fisch werde spürbar steigen. Davon sei er fest überzeugt, so Dettmann.

Viel Dorsch kommt schon jetzt aus dem Nordpolarmeer

Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels teilt diese Auffassung nur zum Teil. Denn bereits jetzt stamme der Großteil der verzehrten Dorsche nicht aus der Ostsee, sondern aus dem Nordpolarmeer, so ein Sprecher auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV. Das Einzige, was wohl zukünftig verschwinden werde, seien die werbewirksamen Verkaufsargumente wie Frische oder Regionalität - und natürlich viele Berufsfischer, die den richtigen Ostseedorsch gefangen und damit ihr Geld verdient haben.

Fischer vor dem Aussterben?

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sind die Fangmengen für Dorsch und Hering laut Landwirtschaftsministerium um 90 Prozent gesunken. Gab es 1991 noch rund 960 hauptberufliche Fischer in Mecklenburg-Vorpommern, so sind es Ende 2019 nur noch 212. "Die Anzahl der Fischereibetriebe hat ihren historischen Tiefpunkt erreicht", sagt Fischer Andreas Schöntier aus Sassnitz. Jede Kegelrobbe werde geschützt, jeder Wolf gestreichelt. "Jetzt sind wir die, die auf der Roten Liste stehen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 18.01.2020 | 12:00 Uhr

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