Stand: 25.09.2020 11:14 Uhr

Eingezahltes Geld aus Lebensversicherungen retten

von David Pilgrim, NDR Nordmagazin

Mann füllt Versicherungsantrag aus © dpa Foto: Jörg Carstensen
"Legal-Tech"-Unternehmen können bei Widerruf und Rückabwicklung von Lebensversicherungen eine gute Alternative sein. (Symbolbild)

Früher war sie der Deutschen liebste Vorsorgeversicherung: die Lebensversicherung. Seit Jahren sinkt allerdings die Zahl der Verträge. Die Gründe sind vielfältig: sinkende Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheiten der Kunden - gerade jetzt in Corona-Zeiten - oder der Verkauf von Versicherungsgesellschaften. Das alles kann dazu führen, dass jemand seine Lebensversicherung kündigen will - und dann feststellt, dass er viel weniger Geld zurückbekommt, als er eingezahlt hat.

VIDEO: Lebensversicherungen richtig kündigen (3 Min)

Manche bis 2007 abgeschlossene Verträge können widerrufen werden

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) nimmt die Zahl der Lebensversicherungen seit Jahren ab. Waren es 2010 noch mehr als 90 Millionen Verträge, sind es 2019 nur noch knapp 83 Millionen. Kein Wunder: Der Garantiezins liegt seit Jahren bei gerade einmal 0,9 Prozent. Das ist für viele Kunden nicht besonders attraktiv. Wer seine Lebensversicherung zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen hat und möglicherweise fehlerhaft über sein Widerrufsrecht belehrt worden ist, kann seinen Vertrag unter Umständen auch heute noch widerrufen. Grundlage dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 2015.

Ansprüche können online geprüft werden

Das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Helpcheck: Der Kunde reicht online seine Vertragsunterlagen der Lebensversicherung ein. Diese werden standardisiert geprüft, ob tatsächlich ein potentieller Verstoß gegen das Widerspruchsrecht vorliegt. In einem zweiten Schritt wird errechnet, welche Ansprüche sich gegenüber dem Versicherer ergeben. Anschließend kann der Kunde entscheiden, ob er vor Gericht mit dem Versicherungsunternehmen streiten will. Wenn ja, erteilt er ein Mandat und Helpcheck beziehungsweise ein von der Firma beauftragter Anwalt übernimmt den Fall.

Honorare gekoppelt an den erzielten Mehrwert

Helpcheck und andere sogenannte Legal-Tech-Unternehmen machen das natürlich nicht selbstlos. Sie wollen auch Geld verdienen. Also zahlt der Kunde ein Honorar zwischen 29,75 und 39,75 Prozent. Aber nur auf den erzielten Mehrwert - also der Differenz zwischen dem Betrag, den der Kunde durch eine Kündigung erhalten hätte und dem, der durch Widerruf und Rückabwicklung zustande kommt.

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Ein Mann sitzt in einem Beratungsgespräch bei der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle © dpa - Bildfunk Foto: Angelika Warmuth

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Nicht immer ist ein Widerruf sinnvoll

Nach eigenen Angaben hat Helpcheck in den knapp vier Jahren seit der Unternehmensgründung mehr als zehn Millionen Euro an Kunden zurückgezahlt. Gründer Peer Schulz meint aber auch, ein Widerruf sei nicht in jedem Fall sinnvoll. Wenn zum Beispiel jemand noch einen lukrativen Altvertrag mit einer Lebensversicherung mit einem deutlich höheren Garantiezins hat, dann rät er von einem Widerruf ab.

Verbraucherzentrale: Trotz hohem Honorar gute Alternative

Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern hat das Geschäftsmodell von Helpcheck geprüft und meint, es sei für viele Kunden eine gute Möglichkeit, mehr Geld von seiner Versicherung zu bekommen. Zwar sei das Honorar für die Rückabwicklung der Verträge recht hoch aber im Vergleich zum Aufwand, den man sonst hätte, sei das Angebot eine gute Alternative.

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Beratungsgespräch © colourbox Foto: colourbox

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 25.09.2020 | 16:10 Uhr

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