Stand: 09.03.2020 18:39 Uhr

Baltic-Lights: Gemeinde rechtfertigt Vorgehen

Nach der Absage des Schlittenhunderennens Baltic Lights auf Usedom hat die zuständige Gemeinde Heringsdorf ihr Vorgehen gerechtfertigt. Ein solches Spektakel ohne Auflagen der Behörden hätte es nicht geben können, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Heringsdorf, Laura Isabelle Marisken, am Montag auf einer Pressekonferenz. Prävention sei in diesem Falle einfach wichtiger gewesen.

Lob von der Unimedizin Greifswald

Auch der Leiter des Greifswalder Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, Prof. Axel Kramer, lobte das Vorgehen der Gemeinde. Zusammen mit dem Gesundheitsamt und dem Landkreis hatte er die Gemeinde bei der Planung der Großveranstaltung beraten, nachdem es in Vorpommern zu zwei Corona-Infektionen gekommen war. Die Auflagen an den Veranstalter hielt er für umsetzbar. Die Gemeinde selbst hatte sich mit einem Eigenanteil von 75.000 Euro an der Veranstaltung beteiligt. Die Einbußen der Organisatoren belaufen sich nach eigenen Angaben auf 200.000 Euro. Ob es im kommenden Jahr eine Wiederauflage des Schlittenhunderennens Baltic Lights auf Usedom geben wird, ist bislang noch nicht klar.

Rückendeckung auch vom Landkreis

Der Landrat des Kreises Vorpommern-Greifswald Michael Sack (CDU) sagte, die Gemeinde habe sehr verantwortungsbewusst gehandelt hat. Noch sei Mecklenburg-Vorpommern in der präventiven Phase. Für die Behörden sei es schwer, nicht kleinlich zu sein, aber die Sicherheit zu gewährleisten. Der Unterschied zu anderen Veranstaltungen mit vielen Menschen wie Theatervorstellungen oder Konzerten sei, dass diese nicht einzeln genehmigt werden müssten, Events dagegen schon, so Landrat Sack. Bei großen Hotels, wo ebenfalls mehrere hundert Menschen zusammenkämen, sei im Erkrankungsfall die Nachverfolgung des Virus aufgrund von Namen und Adressen gegeben. Der Leiter des Krisenstabes des Landkreises, Dietger Wille, verwies auf die Informationshotline des Landkreises. Bis zu zehn Arbeitsplätze seien dafür vorbereitet, fünf seien bisher besetzt.

Veranstalter Demtrøder kritisiert Krisenmanagement

Heringsdorf: Till Demtrøder steht nach der Absage des Schlittenhunderennens Baltic Lights am Strand von Heringsdorf auf der Insel Usedom vor der teilweise überfluteten Rennstrecke. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Kalaene
Die strengen Coronavirus-Sicherheitsauflagen und die teilweise überflutete Rennstrecke bewogen Veranstalter Till Demtrøder zur Absage des Schlittenhunde-Spektakels.

Nach der Absage des Schlittenhunderennens hatte der Veranstalter und Schauspieler Till Demtrøder auch die Landesregierung kritisiert. Das Krisenmanagement nach den bestätigten Corona-Fällen in Vorpommern lasse zu wünschen übrig, so der Schauspieler zu NDR 1 Radio MV. Eine solche Veranstaltung wie das Schlittenhunderennen mit Prominenten zugunsten der Welthungerhilfe habe eine bundesweite Strahlkraft. Damit die Veranstaltung auch im kommenden Jahr stattfinden könne, wünscht sich Demtrøder mehr Engagement der Landesbehörden sowie der Gemeinde Heringsdorf.

Sehr kurzfristige Absage wegen des Coronavirus

Das Schlittenhunderennen hatten die Veranstalter am Freitag sehr kurzfristig abgesagt. Hauptgrund waren die hohen Auflagen durch die Behörden wegen des Coronavirus. Diese seien nicht umsetzbar gewesen, sagte ein Sprecher der Veranstalter. Zudem hätten der auflandige Wind und der steigende Wasserspiegel über Nacht Probleme bereitet. "Die Rennstrecke ist derzeit unpassierbar und steht der Veranstaltung somit nicht zur Verfügung", erklärte Till Demtrøder. Die mit ihren Hunden angereisten Musher und die Prominenten hätten Verständnis gezeigt. Überrascht habe die Entscheidung niemanden, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.03.2020 | 19:00 Uhr

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