Stand: 23.09.2018 09:34 Uhr

AfD-Demo in Rostock: 700 dafür - 4.000 dagegen

In der Rostocker Innenstadt haben am Sonnabend Polizeiangaben zufolge rund 4.000 Menschen friedlich gegen eine Veranstaltung der AfD protestiert. Dem Aufruf zur AfD-Demonstration unter dem Motto "Für unser Land und unsere Kinder" folgten den Angaben zufolge etwa 700 Menschen. Dort sprach bei einer Abschlusskundgebung auch der thüringische AfD-Landes-Chef Björn Höcke. Wie die Polizei mitteilte, wurden mehrere Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet sowie mehrere Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und ein mit Haftbefehl gesuchter Mann festgestellt.

2 Polizeiwagen in Rostock

Rostock: 4.000 Gegendemonstranten bei AfD-Demo

Nordmagazin -

In Rostock haben sich 4.000 Menschen gegen die Teilnehmer einer Demonstration der AfD gestellt. Mit einer Sitzblockade zwangen sie den Zug der 700 AfD-Sympathisanten zur Umkehr.

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Höcke kritisiert Blockade

"Wir stehen hier für die Selbstbehauptung unseres Landes", sagte Höcke unter lautem Protest der Gegendemonstranten auf dem Neuen Markt. Ein Bündnis aus "erstarrten Altparteien", "degenerierten Alt-Gewerkschaften", "verlotterten Amtskirchen" und "versifften Antifa" habe versucht, den AfD-Demonstranten den Weg zu versperren, so Höcke. Während seiner Rede gab es eine technische Panne, sodass der AfD-Hauptredner auf ein Megafon umsteigen musste. Außerdem hatten Anwohner laut Jazz-Musik aufgedreht - offenbar um die Rede auf dem Neuen Markt zu übertönen.

Die gleichen Parolen wie in Lichtenhagen?

Der frühere Ausländerbeauftragte Rostocks und direkte Zeuge der rassistischen Ausschreitungen von Lichtenhagen 1992, Wolfgang Richter, kritisierte Höcke. Dieser versuche mit Hass die Gesellschaft in ihrem Umgang mit Flüchtlingen zu spalten. "Es gab damals in Lichtenhagen die gleichen Parolen."

Sitzblockade zwingt AfD zur Umkehr

Zuvor hatte eine Sitzblockade den Demonstrationszug der AfD durch Rostock mit etwa 700 Teilnehmern aufgehalten. Aus Sicherheitsgründen wurde der Aufzug von der Polizei gestoppt und zurück zum zentralen Versammlungsort am Neuen Markt begleitet. Die AfD legte offiziell Beschwerde ein und forderte die Räumung der Sitzblockade - offenbar ohne Erfolg.

Bischof von Maltzahn: "Flagge zeigen"

In der Marienkirche hatte am Nachmittag eine interreligiöse Andacht mit Bischof Andreas von Maltzahn stattgefunden. Er rief die Menschen dazu auf, "Flagge zu zeigen und üblem Gerede zu widersprechen". Wörtlich forderte von Maltzahn, Menschen, die ausgegrenzt sind, in die Mitte zu holen und jeglichem Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Fremdenhass und dumpfer Wut zu widerstehen.

Schwesig bei Andacht in Marienkirche

Zur Andacht in die Marienkirche kam auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). "Ich bin heute in Rostock, um allen den Rücken zu stärken, die für Demokratie und Vielfalt und gegen Hass und Gewalt eintreten", so Schwesig. "Mecklenburg-Vorpommern ist ein weltoffenes und freundliches Land. Und das wollen wir auch bleiben", sagte die Ministerpräsidentin.

Groß-Demos in der Rostocker Innenstadt

Kundgebungen verschiedener Bündnisse

Bereits am frühen Nachmittag hatten die ersten Initiativen an verschiedenen Orten in der Innenstadt mit ihren Kundgebungen begonnen. Vom Doberaner Platz aus zog die größte Gruppe Demonstranten der Bündnisse "Rostock hilft" und "Rostock nazifrei" dann friedlich in Richtung Stadtzentrum. Auf dem Uni-Platz fand außerdem ein Familienfest der Linken statt. Das Bündnis "Bunt statt braun" und der Deutsche Gewerkschaftsbund veranstalteten weitere Kundgebungen und Konzerte.

Reiterstaffeln und Wasserwerfer vor Ort

Die Polizei war am Sonnabendnachmittag mit 1.250 Beamten vor Ort. Dabei kam Unterstützung für den Einsatz von der Bundespolizei sowie aus Hamburg, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Auch Reiterstaffeln begleiteten die Demonstrationszüge. Außerdem wurden Wasserwerfer an neuralgischen Punkten postiert.

Kein Auto-Verkehr im Stadtzentrum

Der Verkehr ruhte bis auf wenige Ausnahmen im gesamten Stadtzentrum. Bis Mitternacht war die Innenstadt komplett für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Auch bei Bussen und Bahnen gab es Einschränkungen. Außerdem richtete die Polizei im Zentrum der Hansestadt zahlreiche Halteverbotszonen ein.

Polizei rechnete zunächst mit 3.000 Teilnehmern

Die Polizei hatte im Voraus mit weniger Teilnehmern gerechnet. Auf beiden Seiten waren insgesamt rund 3.000 Teilnehmer angemeldet. Bereits am Freitagabend waren 300 Menschen bei einem friedlichen Protestmarsch gegen die geplante Veranstaltung der AfD durch die Innenstadt gezogen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.09.2018 | 07:00 Uhr

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