Jazz Special

Swing - die verkannte Protestmusik der 1930er-Jahre

Freitag, 14. August 2020, 22:05 bis 23:00 Uhr

Am Mikrofon: Wolf Kampmann

Benjamin David "Benny" Goodman © picture-alliance / KPA
Detailbild mit Benjamin David "Benny" Goodman aus der Dokumentation "The Benny Goodman Story", eine colorierte Schwarzweiß-Aufnahme.

Die Swingbewegung der 1930er Jahre war die einzige Epoche des Jazz, in der Pop und Jazz identisch waren. Die Kings, Dukes, Counts und Earls des Jazz waren unfassbar erfolgreich. Doch trotzdem ihre Namen auf Blaublütigkeit abzielten, war die ganze Szene stark von der kommunistischen Partei der USA durchdrungen. Viele Swinggrößen waren Mitglied der KP oder standen ihr nahe. Daraus ergab sich eine große soziale Relevanz dieser Musikrichtung. Nicht umsonst wurden im Swing die Rassenschranken aufgehoben (und zwar nicht erst durch Benny Goodman). John Hammond, der große Impresario des Swing und selbst Kommunist, machte beharrlich Geld von der Partei für die Swingszene locker. So wurde das Café Society finanziert, und die beiden legendären Spirituals To Swing Festivals hatten als Hauptsponsoren kommunistische Tageszeitungen.

Soziale Relevanz

Der gemeinsame Feind war Hitlerdeutschland. Die Kommunistenhatz setzte erst nach 1945 ein. Gerade die Widersprüchlichkeit, zum ersten Mal in der Geschichte einen Deal mit der Industrie einzugehen und Werbeverträge ungeahnten Ausmaßes für die Musik an Land zu ziehen, andererseits aber klar antikapitalistische Stellungen zu beziehen, brachte eine starke soziale Relevanz in die Musikszene, freilich mit gesellschaftlichen Folgen. Dass die Mafia noch eine dritte Komponente war, die da mitspielte, darf dabei nicht übersehen werden.

 

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