Stand: 31.01.2020 12:56 Uhr

Nordischer Jazz trifft auf Gnawa-Gesänge

Magic Spirit Quartet
von Majid Bekkas 
Vorgestellt von Ralf Dorschel

Es ist eine Beschwörung, ein uraltes Ritual - und es fesselt die Menschen weit über Marokko hinaus: Die Musik der Gnawa-Bruderschaften hat schon so unterschiedliche "westliche" Musiker wie Led Zeppelin und die Stones, aber auch Pharoah Sanders, Randy Weston und Bill Laswell in den Maghreb gezogen - manche waren einfach nur auf der Suche nach ein bisschen Exotik, andere kamen mit der ernsthaften Absicht, Kulturen zu erweitern und zu verknüpfen.

Majid Bekkas ist in diese Welt hineingeboren worden, er spielt die Guembri - jene Laute, die den Gnawa-Ritualen ihren Puls gibt. Er hat die alten Themen in seiner Heimatstadt Sale studiert beim Gnawa-Meister Ba Houmane. Doch er hat diese reiche Tradition auch immer in die Neuzeit hinüberretten wollen: Bekkas spielte in Rockbands, er lud Künstler wie Peter Brötzmann und Louis Sclavis zu seinem Festival in Rabat ein, spielte mit dem Armenier Djivan Gasparyan und verbündete sich schließlich 2006 mit Joachim Kühn und Ramón López: Drei Alben des Trios sind seither erschienen. Und jetzt führte den 63-Jährigen ein neuer Pfad nach Schweden. Wo er in Goran Kajfeš (Trompete), Jesper Nordenström (Keyboards) und Stefan Pasborg (Schlagzeug) Mitstreiter für sein "Magic Spirit Quartet" gefunden hat.

Fusion im besten Sinne

Und diesem Quartett gelingt nun auf seinem Debüt eine erstaunliche Gratwanderung: Nordischer Jazz trifft auf Gnawa-Gesänge, Oud und Guembri auf Synthesizer, kraftvolle Improvisationen auf zärtliche Melodik. Und wer die den oft stundenlangen Gnawa-Ritualen innewohnende Ekstase, den Übergang zur Trance hören will, der ist beim Finale des einleitenden "Aisha" richtig, denn hier schrauben sich die vier Musiker höher und höher - angefeuert noch durch die Stimmen des Gnawa-Meisters Mohamed Chaouki und seiner Familie in Majid Bekkas Heimatstadt Sale. "Hassania" schlägt eine Brücke zum Wüstenblues von Tinariwen und Tamikrest, während sich im betörenden "Annabi" Kajfeš Trompete und Bekkas Stimme umspielen.

Dieses Magic Spirit Quartet ist Fusion im besten Sinne - und um die geht's Bekkas und nicht um mehr orientalische Exotik für den Okzident: "Wir können in der Ferne die Spiritualität des Gnawa verlieren. Doch diese Spiritualität ist das Entscheidende in unserer Musik. Wir müssen daher auch äußerst vorsichtig sein, wenn wir von Fusion sprechen, wir müssen uns intensiv mit den anderen Kulturen beschäftigen, bevor wir beginnen, sie mit Gnawa zusammenzubringen."

Magic Spirit Quartet

Genre:
Jazz
Label:
ACT Music
Veröffentlichungsdatum:
31.01.2020
Preis:
17,50 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 03.02.2020 | 22:05 Uhr

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