Jazz Special

Forscher, Erfinder und Notenmaler - Der Holzbläser und Komponist Sylvain Rifflet

Freitag, 14. Februar 2020, 22:05 bis 23:00 Uhr, NDR Info

Am Mikrofon: Karl Lippegaus

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Der französische Komponist Sylvain Rifflet (vorne) kommt mit seiner Suite "Perpetual Motion" zur Konzertreihe NDR Jazz.

Die Kommilitonen, die mit ihm am Pariser Konservatorium studiert haben, sagten über Sylvain Rifflet, Jahrgang 1976, er sei ein kluger Kopf, habe stets originelle Ideen, einen eigenen Standpunkt und schere sich wenig um Konventionen. Rifflet war schon während des Studiums live sehr aktiv, etwa in Großformationen wie dem Orchestre National de Jazz und Le Gros Cube.
Für die beiden Alben seiner ersten Band Rockingchair, mit der Trompeterin Airelle Besson, vermischte Sylvain Rifflet, der Radiohead ebenso inspirierend findet wie Michel Portal und Iannis Xenakis, Elemente aus Rock und Jazz zu abenteuerlichen Hybriden. Seine Solokarriere, mit Ensembles wie Alphabet, Beaux-Arts, ReFocus und ArtSonic, öffnet den Blick auf das Werk eines der originellsten Jazzkomponisten in Frankreich.

"Aus purer Neugier" entstand seine vierzehnteilige Suite zu Ehren des amerikanischen Mavericks, dem Wikinger vom Broadway, Louis T. Hardin alias Moondog. Damit kommt Sylvain Rifflet nun nach Hamburg. "Perpetual Motion", ständige Bewegung - so nannte der Holzbläser seine Moondog-Hommage, die 2014 Premiere hatte und sich laut Rifflet als "ein pharaonisches Unternehmen" entpuppte. Zu einer Reise ins innere Triebwerk dessen, was improvisierte Musik in Gang bringt, wurden auch die Alben "Mechanics" (2015) und "ReFocus" (2017), letzteres eine brillante Antwort auf seine Lieblingsplatte, Stan Getz' legendäres Streicher-Album "Focus", und mehr als nur ein Remake ist.

Einer der originellsten Jazzkomponisten

"Ich schaffe mir immer zuerst sowas wie eine 'präzise Leinwand', dann frage ich mich, was mache ich nun mit diesen Farben; ans Kino habe ich immer viel gedacht, wie man Dinge aus den anderen Künsten weiterverwenden konnte." Die Mischung aus großem handwerklichem Können und eigenwilliger Motorik prägt auch das neueste Werk, "Troubadours", das alte provencalische Liebeslyrik des Mittelalters durch neue Klangwelten in völlig neues Licht rückt.

Sylvain Rifflet machte sein Diplom nach nur drei Jahren am Pariser Konservatorium, 2002 gewann er den ersten Preis im Bereich Jazz. 2008 komponierte er die Musik zu Dernier Maquis (Aufstand, Regie: Rabah Ameur-Zaïmeche), für die er den Preis für die beste Filmmusik beim Dubai International Film Festival erhielt. "Ich will mich von den Klischees lösen, auch was meine Instrumentalspielweise betrifft, ich will weg vom Vokabular des klassischen Jazz, vom Post-Bebop oder wie immer man das nennen mag, was von Charlie Parker bis zu Dave Liebman reicht, mich langweilt das etwas. Also suche ich in der zeitgenössischen Musik, ich suche nach einem anderen Bezug zum Klang."