Ein Soldat mit einem Gewehr steht auf einem Berg. © picture alliance / ZUMAPRESS.com Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Killed in Action

Stand: 29.12.2021 22:56 Uhr

In einer Radio- und Podcastserie schildert NDR Info am Beispiel Afghanistans, wie sich das Selbstverständnis der Bundeswehr durch die Auslandseinsätze gewandelt hat.

Staffel 2: Der Fall von Kabul

Im August 2021 schaute die ganze Welt nach Afghanistan: 20 Jahre lang war der Staat vom Westen unterstützt worden, jetzt und innerhalb kürzester Zeit brach er zusammen. Wie konnte es so weit kommen? Noch vor Abzug der letzten US-Truppen marschierten die Taliban in die Hauptstadt ein, viel früher als vorhergesagt. Die reguläre Regierung floh. Tausende Afghaninnen und Afghanen, die das Land verlassen wollten, strömten zum Flughafen - in Panik und Todesangst. Wie konnte es so weit kommen? In „Killed in Action“, dem Podcast der ARD-Korrespondenten Christoph Heinzle und Kai Küstner, handelt die zweite Staffel von den dramatischen Szenen und Tagen im Sommer 2021: In vier neuen Folgen, die im Rahmen eines Rechercheprojekts von NDR und WDR entstanden sind, geht es um die Fehler, die gemacht wurden, um gescheiterte Friedensgespräche, die letzten Tage und Stunden von Ashraf Ghani im Präsidentenpalast, die Evakuierungsoperation der Bundeswehr auf dem Flughafen. Zusammen mit Gabor Halasz, Volkmar Kabisch und Martin Kaul rekonstruiert Christoph Heinzle die dramatische Phase. Er hat beteiligte Soldaten getroffen, Diplomaten, Vertreter der Taliban und enge Mitarbeiter Ghanis. Und er hat mit Betroffenen gesprochen: Osman Azimi ist darunter, ein ehemaliger afghanischen Übersetzer des Deutschen Polizeiprojekts. Außerdem eine der wenigen Bürgermeisterinnen Afghanistans: Zarifa Ghafari. Sie kann die neue Realität Afghanistans - wie so viele - noch nicht akzeptieren.  

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Killed in Action - Der Fall von Kabul

In der zweiten Staffel der Serie sprechen Menschen, die in Kabul dabei waren: Vor den Toren des Flughafens, am Verhandlungstisch mit den Taliban und in deutschen Militärmaschinen. mehr

Schließlich waren sich noch kurz zuvor die Nachrichtendienste sicher: Kabul ist nicht in Gefahr. Nur zwei Wochen später sitzen die Taliban im Palast des Präsidenten, der nur wenige Stunden zuvor überhastet geflohen war. Mit seiner Flucht ist ein ganzer Staat kollabiert, von einer Stunde auf die andere. Und zehntausende Menschen in Kabul und Afghanistan wollen jetzt nur noch raus. Sie drängen auf den abgesperrten Flughafen. Dort versuchen Soldaten aus der ganzen Welt, zu landen und Menschen einzusammeln: ihre Staatsangehörigen und jene, die ihnen in 20 Jahren Afghanistan-Einsatz geholfen haben. Schnell ist klar: Sie werden nicht alle retten können, sie werden Menschen zurücklassen. Nur wen? Und wie viele? Bis heute diskutiert auch Deutschland, ob der Rettungseinsatz für Deutsche und Ortskräfte in Afghanistan zu wenige Leben gerettet hat. Jetzt sprechen die Menschen, die damals dabei waren: im Präsidentenpalast, bei den Verhandlungen mit den Taliban, im deutschen Krisenstab. Und erstmals auch: Elite-Soldaten der Bundeswehr. Haben die Taliban den Krieg gewonnen? Und wenn ja: Wie konnte es so weit kommen?

„Der Fall von Kabul“ ist ein Podcast von Christoph Heinzle, entstanden zusammen mit Gabor Halasz, Volkmar Kabisch und Martin Kaul im Rahmen eines crossmedialen Rechercheprojekts von NDR und WDR. Mitarbeit am Podcast: Marcus Engert.

Der WDR strahlte bereits Anfang August "die story - Der Fall von Kabul: Chronik eines Desasters" aus. Die ganze Sendung finden Sie in der ARD Mediathek.

Die schriftliche Afghanistan-Aufarbeitung von Martin Kaul, Gabor Halasz, Volkmar Kabisch und Christoph Heinzle finden Sie auf der Seite der tagesschau.

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Staffel 1: Deutschland im Krieg

Karfreitag 2010: Über acht Stunden lang liefern sich Fallschirmjäger aus Niedersachsen nahe Kundus ein Gefecht mit Taliban - das wohl schwerste in der Geschichte der Bundeswehr. Drei Deutsche sterben, acht werden verletzt. Die Bundesregierung spricht erstmals von Krieg. Kämpfen und Töten, Verwundung und Sterben gehören nun zur Bundeswehr.

Der deutsche Nato-General Jörg Vollmer kritisiert rückblickend den Umgang mit afghanischen Ortskräften der Bundeswehr. Im Interview mit NDR Info sagte der Vier-Sterne-General, das "eigentlich Beschämende" in der Schlussphase des Afghanistaneinsatzes sei gewesen, "wie wir mit den Menschen umgegangen sind, die uns über so viele Jahre unterstützt haben. Wir hätten, und das wussten wir, sie deutlich früher nach Deutschland bringen können."

Die früheren ARD-Korrespondenten und jetzigen NDR Info Reporter Christoph Heinzle und Kai Küstner erzählen die Lebensgeschichten Beteiligter und zeichnen den grundlegenden Wandel der Bundeswehr nach - in einer fünfstündigen Podcast-Serie, einer auf zwei Stunden gekürzten Radioserie und einem knapp einstündigen Feature.

"Killed in Action" - Was der Podcast-Titel bedeutet

Der Begriff wird im internationalen Militär für Soldaten verwendet, die in direkten Kampfhandlungen getötet wurden. "Killed in Action" drückt aus, was den Afghanistan-Einsatz für die Bundeswehr einschneidend neu gemacht hat: offene Gefechte im Kampfeinsatz mit einer großen Zahl von Getöteten.

 

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