Steigende Nachfrage: Begrenzte PCR-Testkapazitäten im Fokus

Stand: 13.01.2022 17:31 Uhr

Etwa 2,4 Millionen PCR-Tests können die Labore in Deutschland pro Woche auswerten. Aber das ist nur eine theoretische Zahl: Denn vor allem Personalausfälle könnten die Labore bald an ihre Grenzen bringen.

von Isabel Lerch

Es ist ganz ähnlich wie bei den Intensivbetten: Die Kapazitäten der Labore und die Frage, wie viele PCR-Tests sie pro Woche auswerten können, hängt nicht nur an der Zahl der Geräte - sondern vor allem am Personal. Und das dürfte in den kommenden Wochen teilweise ausfallen: "Wir müssen ja auch davon ausgehen, dass Laborpersonal sich mit dem Virus infizieren wird - genauso wie anderes Personal im Gesundheitswesen, genau wie die Bevölkerung", sagt Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes. Durch den erwarteten Personalausfall dürften die Testkapazitäten daher schrumpfen.

1,4 Millionen PCR-Tests in der ersten Januarwoche

Aktuell können sie die steigende Zahl der Tests aber noch gut bewältigen: Rund 1,4 Millionen PCR-Tests wurden allein in der ersten Januarwoche ausgewertet, teilte der Berufsverband der Akkreditierten Labore in der Medizin mit. Das entspricht einer aktuellen Auslastung von bundesweit 64 Prozent. Doch die Zahl der angefragten PCR-Tests steigt rasant: So wurden in der ersten Woche des neuen Jahres bei den Laboren rund 56 Prozent mehr PCR-Tests angefordert als noch in der Silvesterwoche.

Momentan blickt der Verband trotz dieser starken Zunahme der Nachfrage an PCR-Tests noch gelassen auf die Situation. "Die Belastung in den Laboren ist zwar erheblich, aber ich sehe keinen Grund für zu große Sorgen", so der erste Vorsitzender des Verbands, Michael Müller. Trotz dieser vorsichtigen Gelassenheit bereiten sich die Labore auf die wachsende Zahl an Tests vor - und zwar nicht erst mit Beginn der aktuell laufenden Omikron-Welle.

Urlaubssperren und Wochenendarbeit für Labormitarbeiter

Allein seit Oktober hätten die Labore ihre Testkapazitäten um mehr als zehn Prozent gesteigert. Müller: "Wir sind bemüht, diese auch weiter zu erhöhen, denn die Infektionszahlen werden in den nächsten Tagen und Wochen weiter deutlich zunehmen." Mit bestimmten Maßnahmen können die Labore kurzfristig ihre Kapazitäten steigern: "Wir hören von Laboren, dass jetzt schon Mitarbeiter eine Urlaubssperre bekommen, dass am Wochenende mit höherer Besetzung gearbeitet wird", sagt Ärztin Susanne Johna. "Aber das ist natürlich eine Belastung, die auch nur eine gewisse Zeit zu halten ist."

Priorisierung bei PCR-Tests gefordert

Noch vor ein paar Wochen sah das anders aus: Ende November wurden zeitweise mehr als 1,8 Millionen PCR-Tests durchgeführt - damit waren die Labore im Schnitt zu 86 Prozent ausgebucht. In einigen Regionen kamen sie an ihre Belastungsgrenze. Geht der Anstieg der Omikron-Infektionen so rasant weiter, dürfte bald eine ähnliche Situation entstehen. "Deswegen ist es wichtig, dass wir die PCR-Testkapazitäten da zuordnen, wo es unbedingt notwendig ist, ein PCR-Test-Ergebnis zu haben", sagt Johna mit Blick auf mögliche Engpässe. Sollten diese eintreten, sei es wichtig, dass die PCR-Testkapazitäten nicht komplett fürs Freitesten verbraucht würden. Man benötige die PCR-Tests vor allem für indizierte Untersuchungen bei Patienten.

Auch andere Stimmen fordern inzwischen eine klare Priorisierung, sollten die Testkapazitäten knapp werden. So betonte der Leiter des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, dass Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur Vorrang hätten, wenn es zu Engpässen kommen sollte. Johna fordert angesichts verkürzter Quarantäne-Zeiten und langer Wartezeiten auf PCR-Ergebnisse gar eine neue Teststrategie: So sollen Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur ihre Quarantäne künftig statt mit einem PCR-Test alternativ mit zwei Antigentests verkürzen können.

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NDR Info | 13.01.2021 | 08:05 Uhr

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