Stand: 28.04.2020 17:36 Uhr

Informationen zu Corona: Fakten oder Fake News?

Rund um die Coronavirus-Krise kursieren derzeit Falschnachrichten, Gerüchte und Verschwörungstheorien im Netz. Wie gefährlich sind Fake News? Wie erkennt man verlässliche Informationen?

von Kathrin Schmid

Aktuellen Untersuchungen von Medienwissenschaftlern zufolge hat die Verbreitung von Falschnachrichten und Verschwörungstheorien ein bislang ungekanntes Ausmaß erreicht. Eine gesunde Skepsis ist daher grundsätzlich mehr denn je angebracht. Vor allem wenn es darum geht, eine Nachricht oder eine Video- oder Audiobotschaft an Familie, Freunde und Bekannte weiterzuleiten.

Ein besonderes Problem in dieser Krise ist die Verbreitung von Falschnachrichten über sogenannte Kettenbriefe - vor allem über Messengerdienste wie WhatsApp und Telegramm. Ebenso wie Viren lassen sich Falschnachrichten nur stoppen, wenn man sie nicht weitergibt!

Desinformation #1: Verschwörungstheorien

Es kursieren verschiedene Arten von Desinformation rund um das Coronavirus. Zum einen Verschwörungstheorien wie: "Das Virus stammt aus dem Labor". Um diese Behauptungen zu unterlegen, werden unter anderem solche Szenarien konstruiert: Das Virus wurde von der Pharma-Lobby gezüchtet, um Profit mit einem Gegenmittel machen zu können. Es wurde gezüchtet als Maßnahme gegen Überbevölkerung - zum Beispiel als amerikanisch-jüdisches Komplott. Es wird als Biowaffe und Machtinstrument einer Elite benutzt, etwa einer zionistischen Lobby.

Desinformation #2: Verharmlosung

Eine derzeit besonders weit verbreitete Kategorie der Desinformation ist die Verharmlosung. Der Tenor: Coronaviren sind längst bekannt und alle aktuellen Maßnahmen schlicht "Panikmache". Dazu gehört auch die falsche Behauptung, das neuartige Coronavirus sei vergleichbar mit einer "herkömmlichen Grippe". Dabei ignorieren Corona-Zweifler die Gefahr einer Pandemie und die Tatsache, dass es gegen Sars-CoV-2 noch keine Schutzimpfungen gibt.

Desinformation #3: Zweifelhafte Alltagstipps

Besonders gefährlich ist auch die dritte Kategorie der Falschmeldungen: Dabei handelt es sich um zweifelhafte Alltagstipps zum Schutz vor dem Virus. Diese können - im besten Fall - völlig nutzlos, aber auch lebensgefährlich sein.

Desinformation #4: Panikmache

Vorsicht geboten ist auch vor Informationen, die Panik schüren und den gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinträchtigen können. Dazu gehören: Falschmeldungen zu stark begrenzten Öffnungszeiten der Supermärkte und gefälschte und kontextentleerte Videos von extremen Hamsterkäufen. Solche Informationen werden häufig als Exklusivmeldungen getarnt oder als vermeintliche Augenzeugenberichte angekündigt: "Der Bruder eines Bekannten ist Arzt in Italien ..." Oder: "Die Schwester eines Nachbarn arbeitet als Pflegerin in einem Münchner Krankenhaus ..."

Was macht Falschnachrichten so gefährlich?

Abgesehen von medizinischen und psychischen Folgen bei jedem Einzelnen, beeinträchtigen viele Falschnachrichten auf einer weiteren Ebene den Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Krise. Sie untergraben einen gesellschaftlichen Konsens. Denn der Glaube an Verschwörungstheorien oder falsche Gesundheitstipps, führt häufig dazu, dass sich Menschen nicht an die Regeln und Empfehlungen von offiziellen Stellen halten.

Quellen prüfen

Am sichersten ist es, sich an Informationen von offiziellen Stellen zu halten. Neben lokalen und regionalen Behörden bieten

umfassende Informationen im Netz.

Diese Quellen sind auch auf nahezu allen Social-Media-Plattformen aktiv - etwa auch in Form von digitalen Informationsveranstaltungen und Pressekonferenzen für die allgemeine Öffentlichkeit als Facebook-Livestream.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zudem einen WhatsApp-Service eingerichtet. Nutzer können sich kostenlos registrieren und bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu Corona aufs Smartphone -  etwa die aktuellen Daten, Hinweise zu Symptomen und zum Schutz vor Infektionen sowie Reisetipps.

Auch der NDR berichtet über seine Social-Media-Kanäle umfassend über die Corona-Krise.

Darüber hinaus sollten Nutzer prüfen, ob es sich beim Absender der Information um einen verifizierten Account handelt. Ebenso lohnt der Blick auf die Historie des Absenders, etwa eines YouTube-Kanals: Welche Informationen und Videos wurden dort in der Vergangenheit veröffentlicht?

Doppelcheck

Es lohnt sich zu prüfen, ob sich mithilfe einer kurzen Netzrecherche eine zweite Quelle für diese Information finden lässt.

Botschaft hinterfragen

Was ist eigentlich Kern der Botschaft? Was könnte die Absicht oder Ziel der Nachricht sein? Werden vermeintlich simple Lösungen angeboten oder werden offensiv Schuldige benannt, sollte man die Information besonders gründlich hinterfragen.

Faktenchecker konsultieren

Sogenannte Faktenchecker aus Medienhäusern oder von Non-Profit-Organisationen haben derzeit besonders viel zu tun und veröffentlichen täglich neue Recherchen zu Falschnachrichten. Hier einige deutschsprachige Seiten:

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.04.2020 | 15:22 Uhr

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