Stand: 26.03.2020 09:10 Uhr

Otte-Kinast: Landwirtschaft bis ins Mark getroffen

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Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast bezeichnet den Erntehelfer-Mangel als "dramatisch".

Das wegen der Corona-Krise von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erlassene Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte sei ein ganz bitterer Schritt und knallhart für die landwirtschaftlichen Betriebe, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) im Interview auf NDR Info. Die Nachricht habe die Betriebe bis ins Mark getroffen. Dass nun Arbeitskräfte fehlen, sei dramatisch. "Aber die Zahl der Infektionen steigt und steigt. Und in allererster Linie geht es um die Gesunderhaltung von Menschen. Daher kann ich den Schritt nachvollziehen," so Otte-Kinast. Es stelle sich aber die Frage, wie lange Seehofer die Sperre aufrechterhalten wolle.

Niedersachsen braucht etwa 40.000 Saisonarbeiter

Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland zu bremsen, hat am Mittwoch das Bundesinnenministerium ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Diese Beschränkungen seien "zwingend erforderlich, um Infektionsketten zu unterbrechen", hieß es aus dem Ministerium. Die Folge: Laut Otte-Kinast braucht Niedersachsen nun etwa 40.000 Saisonarbeiter. "Das geht jetzt los und steigert sich noch mal bis Mai. Ich hoffe, dass bis dahin eine Entspannung kommt, denn da werden die meisten gebraucht."

"Viele Menschen wollen helfen"

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium sei mit allen Verbänden im Gespräch, um Lösungen zu finden. Gerade bei Gemüse- und Obsthöfen sei es wichtig, die Früchte jetzt in die Erde zu bekommen. Der Bund habe mit der Lockerung von Regelungen, etwa der Ausweitung der 70-Tage-Regel, "ein wichtiges Signal" gesendet. Die CDU-Politikerin lobte den großen Andrang auf einem Vermittlungsportal des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Dort hätten sich bereits an den ersten beiden Tagen mehrere Zehntausende Jobsuchende gemeldet. Sie sollen dort mit Betrieben, die Arbeitskräfte brauchen, zusammengebracht werden.

Da immer wieder Spargelstechen als mögliches Einsatzgebiet für neue Helfer genannt wird, stellte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin klar, dass das "nicht jeder kann" und man dafür "besondere Fähigkeiten" brauche. Aber: "Es gibt viele Dinge, die sind in einem Tag angelernt. Es tut sich ganz viel und das macht mir Mut."

Otte-Kinast schlägt Rentner als Erntehelfer vor

Doch wer soll diese Aufgaben nun übernehmen? Otte-Kinast sieht eine Chance darin, Rentner und Vorruheständler wieder einzusetzen. Diese könnten arbeiten, ohne dass der Lohn auf die Rente angerechnet werde. "Das könnte eine Chance sein, dass man Spezialisten, zurückholen und aktivieren kann", so die CDU-Politikerin.

Dass aber gerade Rentner zur Corona-Risikogruppe zählten und sie sich womöglich in Gefahr begeben, gab Otte-Kinast zu. Sie sagte: "Das muss jeder Betrieb für sich selber abwägen, welches Risiko er eingeht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 26.03.2020 | 07:20 Uhr

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