Stand: 19.09.2020 18:28 Uhr

Cleanup Day: 550 Müllteile pro Strandabschnitt an der Nordsee

von Christoph Prössl

Müll liegt am Strand von Borkum. © NDR Foto: Peter Becker
Angeschwemmter Müll verschandelt wie hier auf Borkum die Umwelt.

Die Strände in Norddeutschland sind verschmutzt. Die See spült Müll an, Teile von Fischernetzen, Leinen, Folienfetzen, Styropor. Tiere kommen zu Schaden. Kommunen müssen viel Geld aufwenden, um die Strände zu säubern.

Wie groß das Ausmaß ist, macht eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Grünen im Bundestag deutlich, die NDR Info und der dpa exklusiv vorliegt.

Hunderte Teile Müll pro Strandabschnitt

Durchschnittlich wurden in den vergangenen Jahren an der Nordsee 550 Müllteile pro Strandabschnitt gefunden, an der Ostsee 172 Müllteile. Ein Strandabschnitt ist mindestens hundert Meter lang. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein hat demnach zwischen 2010 und 2019 jährlich durchschnittlich 2,4 Kubikmeter anorganische Substanzen pro Kilometer Landesdeich entsorgt.

Freiwillige sammeln Müll

Am Cleanup Day, zu dem viele Nichtregierungsorganisationen aufrufen, sammeln Tausende Freiwillige Müll ein. Zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Hamburg: In der Hansestadt haben rund 35 Jugendliche am Falkensteiner Ufer an der Elbe gecampt. Das Wetter sei auf ihrer Seite, sagte Matthias Hader, Projektreferent der Naturschutzjugend, der Jugendorganisation des NABU.

Müllsammeln auf Pagensand und Nessand

"Wir werden uns über das Wochenende spannende Vorträge und Workshops anhören, zum Beispiel, wie man Plastikmüll im Alltag vermeiden kann. Und anlässlich des International Coastal Cleanup Days werden wir auf zwei Elbinseln gebracht, nämlich Pagensand und Nessand, und haben dort die Möglichkeit, mit Müllzangen und Müllbeuteln den Spülsaum von Plastikmüll und anderem Müll zu befreien", sagte Hader vor der Aktion.

Zu tun gibt es für die Freiwilligen viel. Denn an Flüssen und den Stränden von Nord- und Ostsee wird viel Müll angespült. Das haben Zählungen an Strandabschnitten ergeben. Durchschnittlich wurden in den vergangenen Jahren an der Nordsee 550 Müllteile pro Strandabschnitt gefunden, an der Ostsee 172 Müllteile. Per Definition ist ein Strandabschnitt mindestens 100 Meter lang, im Idealfall über einen Kilometer. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein hat demnach zwischen 2010 und 2019 jährlich durchschnittlich 2,4 Kubikmeter anorganische Substanzen pro Kilometer Landesdeich entsorgt.

Meerestiere sterben an den Folgen der Verschmutzung

"In jedem Jahr sterben unzählige Meerestiere an den Folgen dieser Plastikverschmutzung", sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke, die die Kleine Anfrage gestellt hat. "Über 1.000 Arten sind davon betroffen, fast alle Eissturmvögel, die tot an der deutschen Nordsee aufgefunden wurden, hatten Kunststoffe im Magen. Fast alle Nester von Basstölpeln auf Helgoland sind mit Kunststoff versetzt, die die Jungvögel töten können."

Müllverursacher: Schiffe, Fischerei und Touristen

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage fasst auch zusammen, wo der Müll an den Stränden herkommt: In der Nordsee stammten 51 Prozent der Funde von Schiffen und aus der Fischerei. 40 Prozent des Mülls stammten aus Freizeit- und Tourismusaktivitäten. In der Ostsee ist das Verhältnis umgekehrt.

65.000 Euro Kosten pro einem Kilometer Strand

Das Umweltministerium gibt in der Antwort zu, die Ziele der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zu verfehlen. "Die 2008 vereinbarten europäischen Ziele zur Reduktion des Meeresmülls hat die Bundesregierung krachend verfehlt, Es gibt keinen Rückgang. Das Ausmaß der Vermüllung ist seit über einem Jahrzehnt unverändert hoch", sagte Lemke. Die Beseitigung des Mülls ist kostspielig für die Kommunen: Bis zu 65.000 Euro kostet die Reinigung von einem Kilometer Strand.

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NDR Info | 19.09.2020 | 08:00 Uhr

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