Inzidenz in Hamburg: Impfstatus der Infizierten oft unklar

Stand: 16.12.2021 18:29 Uhr

Es waren beeindruckende Zahlen: Über Wochen hatte die Hamburger Sozialbehörde mitgeteilt, wie hoch die Corona-Inzidenz unter Geimpften und wie hoch sie unter Ungeimpften ist. Demnach war sie unter Ungeimpften um ein Vielfaches höher. Doch nun gibt es Zweifel.

Bei einer Recherche versuchten Journalistinnen und Journalisten von "Welt" und "Süddeutscher Zeitung" herauszufinden, bei wie vielen Corona-Fällen der Impfstatus überhaupt bekannt ist. Ihr Verdacht lautete: Die Fälle, bei denen die Behörden den Status nicht kennt, werden als Ungeimpfte aufgeführt. Dieser Verdacht erhärtete sich, es stellte sich heraus: In den meisten Fällen weiß die Hamburger Sozialbehörde tatsächlich nicht, ob jemand geimpft oder ungeimpft ist.

NDR 90,3 liegt die Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Abgeordneten Anna von Treuenfels vor. Demnach war Ende November, in der 47. Kalenderwoche, bei fast 70 Prozent der Corona-Fälle nicht klar, ob die infizierte Person geimpft oder ungeimpft war. Trotzdem wurden sie in die Gruppe der Ungeimpften gezählt. Die Sozialbehörde hatte die Inzidenz bei den Geimpften für die 47. Kalenderwoche mit 24,0 angegeben, die der Ungeimpften oder nicht vollständig Geimpften mit 898,2.

Behörde kündigt aussagekräftigere Daten an

Der Grund dafür liegt wohl bei den Gesundheitsämtern: Sie müssen den Impfstatus nicht nur in jedem Einzelfall abfragen - sondern sie müssen ihn auch in jedem Einzelfall überprüfen, wie der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, im Gespräch mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen erklärte. "So lange aber kein Nachweis eingereicht ist, können wir naturgemäß nicht unterscheiden, ob die Person das schlicht versäumt hat oder sie keinen Nachweis erbracht hat, weil sie über keinen Impfnachweis verfügt."

Diese Daten sollen für die zurückliegenden Wochen möglichst vollständig nachgeliefert werden, kündigte Helfrich an.

Auch Lücken bei Zahlen der Krankenhäuser

Selbst bei den Krankenhäusern sind die Angaben lückenhaft. Bei mindestens einem Drittel aller Krankenhaus-Patientinnen und Patienten kann der Impfstatus nicht angegeben werden, auch das geht aus der Senatsantwort auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Deniz Celik hervor. Diese Tatsache ist dramatisch, denn die Krankenhäuser sind laut Senat seit Mitte Juli bereits dazu verpflichtet, die Zahlen zu erheben und zu melden.

Opposition ist entsetzt

Der politische Druck auf die Sozialbehörde ist nun groß: Alle Oppositionsparteien im Hamburger Rathaus zeigen sich entsetzt davon, wie lückenhaft die Datenlage über den Impfstatus von Infizierten ist.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 16.12.2021 | 13:00 Uhr

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