Hamburger Medizin-Studenten geraten durch Corona unter Druck

Stand: 27.04.2022 10:50 Uhr

Zugang nur mit negativem Corona-Test: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat strenge Regeln für Besucherinnen und Besucher aufgestellt. Die Uniklinik will sich schützen. Eingeschleppte Covid-Infektionen sollen unbedingt vermieden werden. Hunderte Studierende der Medizin haben dadurch ein Problem.

Wer sich von ihnen mit dem Coronavirus infiziert und in Quarantäne muss, muss im schlimmsten Fall ein halbes Jahr länger studieren. Denn pro Halbjahr darf man im Medizinstudium nur 15 Prozent aller Kurse verpassen. In einer Pandemie sei das nicht mehr zeitgemäß, finden einige Studierende.

"Wenn es so läuft, werde ich vermutlich das Semester wiederholen müssen", sagte Studentin Christin Maack dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. "Unverschuldet, weil ich durch eine Corona-Infektion gezwungen war, mich in Isolation zu begeben." Studienkollege Mats Lorenzen berichtet von seinen Problemen: "Als ich selber an Covid erkrankt bin, waren meine Hauptgedanken eher: Wie komme ich jetzt noch auf die Anwesenheit? Wie kann ich die Modulprüfung überhaupt noch mitschreiben? Und nicht: Wann bin ich wieder gesund oder wie werde ich am besten gesund?"

Werden PCR-Gurgeltests verfälscht?

Dazu kommt: Alle Studierenden hier müssen zwei Mal pro Woche einen negativen PCR-Gurgeltest vorlegen. Doch offenbar kommt es immer öfter vor, dass Gurgeltests einfach verfälscht werden. Studentin Sara Wendland sagte dem Hamburg Journal: "Ich selbst habe das nicht gesehen, aber ich habe geäußerte Gedanken gehört, wo diejenigen sagen, dass sie sich mit dem Rücken so sehr zur Wand fühlen, dass das für sie eine Option ist."

Ein Studienkollege berichtet: "Also ich habe auch schon davon gehört, auch von engen Kommilitonen, dass sie diese Tests zwar durchführen, aber nicht in der geforderten Frequenz vom Dekanat. Und sie füllen auch diese Selbstauskunft nicht aus, ob sie jetzt asymptomatisch in die Vorlesung gehen. Aber vom Dekanat gab es da auch irgendwie ... also es wird nicht so konsequent kontrolliert."

UKE will mögliche Härtefälle prüfen

Lasche Kontrollen in einem hochsensiblen Umfeld? Die Studierenden haben Kontakt mit Patientinnen und Patienten. Auf Anfrage des Hamburg Journal gab es vom UKE keine Antwort. Nur zum Problem der Fehlzeiten: "Diese Regelung dient dem Patient:innenschutz und entspricht der gegenwärtigen Gesetzeslage. Nichtsdestotrotz wird die Medizinische Fakultät prüfen, zu welchen Härten es aufgrund von Positiv-Testung und Isolation/Quarantäne während der Module kommt."

Immer wieder hatten die Studierenden beim Dekanat der Medizinischen Fakultät auf das Problem aufmerksam gemacht. "So wie ich andere nicht in Gefahr bringen möchte, verlasse ich mich eigentlich auch darauf, dass die mich nicht in Gefahr bringen", sagt Sara Wendland. "Und momentan wird provoziert, dass das überhaupt nicht umsetzbar ist."

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