Corona: Leonhard dämpft Hoffnung auf schnelle Lockerung

Stand: 16.11.2020 06:04 Uhr

Auch nach 14 Tagen Teil-Lockdown ist die Corona-Infektionslage noch angespannt. Das sagte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) im Interview mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen.

Nach zwei Wochen des eingeschränkten Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute mit den Regierungschefs der Bundesländer über die bisherigen Ergebnisse sprechen. Mehrere warnen vor zu hohen Erwartungen an das Treffen und fordern Geduld. Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sieht noch keinen Spielraum für Lockerungen. Es gehe eher darum, ob man die derzeitigen Kontaktbeschränkungen noch verschärft.

Corona-Situation laut Leonhard angespannt

Hamburgs Sozialsenatorin Leonhard konnte am Sonntag im Interview mit dem Hamburg Journal ebenfalls keine Entwarnung geben. Zwar gebe es derzeit keinen exponentiellen Anstieg der Zahlen mehr, erklärte Leonhard. "Aber die Situation ist nicht so, dass man sagen könnte, es sei entspannt. Insofern ist die Hoffnung auf schnelle Lockerungen nicht berechtigt." Am Sonntag kamen laut Sozialbehörde 243 gemeldete Neuinfektionen in Hamburg hinzu.

Leonhard will kompletten Lockdown vermeiden

Mit Blick auf Deutschlands Nachbarland Österreich, wo drastische Maßnahmen wie ein kompletter Lockdown mit Ausgangssperren geplant sind, sagte Leonhard: "Wir wollen nicht hoffen, dass es bei uns soweit kommt." In Österreich seien die Zahlen trotz einschneidender Maßnahmen weiter gestiegen. "Wir versuchen hier weiterhin mit Maß und Mitte, aber auch mit Einschränkungen, das Virus in den Griff zu bekommen", so Leonhard.

Wie geht es in den Schulen weiter?

In den Schulen stiegen die Infektionszahlen zuletzt an. Von einer Maskenpflicht auch in der Grundschule oder einer Teilung der Klassen in Präsenz- und digitalen Heimunterricht hält der Senat bislang aber nichts. In den Schulen würde die Situation zunächst weiter beobachtet, erklärte Leonhard. Darauf hätten sich die Kultusminister der Länder zusammen verständigt. "Bei älteren Schüler gibt es andere Zahlen als bei jungen Kindern - das muss man alles berücksichtigen."

Leonhard: Kinder leiden unter Schulschließungen

Bei Schulen müsse man abwägen. "Wir wissen aus der Vergangenheit, dass lange Schulschließungen große Konsequenzen für Kinder haben - auch gesundheitliche: Die erleben die Isolation besonders stark", sagte Leonhard. "Ihnen fehlen Mitschüler und Schule doch sehr und viele können in der Gruppe besser lernen als alleine zu Hause - völlig unabhängig von digitalen Hilfsmitteln."

Einschränkungen erhöhen Druck auf Familien

Auch im Hinblick etwa auf häusliche Gewalt gelte es, die Maßnahmen abzuwägen. "Mit jeder weiteren Einschränkung erhöht man den Druck auf Familien", so Leonhard. "Wer existentielle Nöte hat, jetzt vielleicht nicht mehr weiter weiß, da entlädt sich manchmal auch etwas, was sich sonst nicht entladen hätte - und ohnehin angespannte Situationen eskalieren noch mehr."

Pflegekräfte für Corona-Tests in Heimen gesucht

Leonhard bekräftigte einen Aufruf an ausgebildete Pflegekräfte, die nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Hamburg suche für Pflegeeinrichtungen Menschen, die bei Corona-Tests helfen könnten, damit noch mehr Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal getestet werden könnten.

Am Sonntagabend wollte sich Leonhard telefonisch mit den Gesundheitsministern der Länder austauschen. Hamburg dränge auf eine schnelle und gute bundesweite Lösung, um Krankenhäusern zu helfen, die gegenwärtig Betten frei halten oder schon eine angespannte Situation hätten, weil sie viele Corona-Pantienten behandelten. "Da brauchen wir dringend eine einvernehmliche Lösung, damit wir auch in Hamburg weiter zurecht kommen."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 15.11.2020 | 19:30 Uhr

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