Für Ungeimpfte wird's schwerer: Hamburg startet 2G-Regelung

Stand: 28.08.2021 00:01 Uhr

Ab sofort können in Hamburg Restaurants, Kneipen, Theater, Kinos und weitere Publikumseinrichtungen Geimpften und Genesenen vorbehalten bleiben - aber nur, wenn die Betreiber und Betreiberinnen sich für die 2G-Option angemeldet haben.

Im Gegenzug entfallen dann dort Beschränkungen wie Abstandsvorgaben, Testpflicht, Tanzverbot sowie Vorgaben zu Sitzplätzen und Tischanordnung. So hatte der Senat es am Dienstag in seiner bundesweit bislang einmaligen 2G-Regelung entschieden. Veranstaltende und Gastronomiebetreibende müssen sich online anmelden, wenn sie das 2G-Optionsmodell nutzen wollen. Und sie müssen dann kontrollieren, ob Gäste einen Impf- oder Genesenen-Nachweis plus Ausweis mit sich führen. Verstoßen sie gegen die Bestimmungen, drohen Bußgelder von 1.000 Euro bis zu 20.000 Euro.

Teilweise Skepsis bei Betreibern

Wie viele das Angebot nutzen werden, ist noch unklar. Im Vorfeld zeigten sich vor allem viele Kulturbetriebe skeptisch, was eine schnelle Einführung betrifft. Auch in der Gastronomie gab es zurückhaltende Stimmen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) klagte, dass in der Gastronomie und Hotellerie durch 2G jenen Beschäftigten, die sich nicht impfen lassen wollten oder könnten, der Jobverlust drohe.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wies die Kritik wegen einer angeblichen Impfpflicht durch die Hintertür zurück. Wenn es eine Impfpflicht gäbe, "dann gäbe es kein Pardon, da wird gesagt, alle müssen sich impfen. Das ist etwas ganz anderes als das, was wir derzeit haben", sagte er am Freitag. Zuvor hatte sich der Deutsche Ethikrat ähnlich geäußert. "Eine Pflicht ist etwas, dem man sich nicht entziehen kann", sagte die Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx NDR Info. Das sei hier nicht der Fall. Stattdessen werde "Druck aufgebaut, um es attraktiver zu machen, sich und andere zu schützen".

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Ausnahmen nur für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre können zunächst unabhängig von ihrem Impfstatus an 2G-Angeboten teilnehmen. Diese Ausnahme gilt aber nur sechs Wochen lang, anschließend dann nur noch nur für alle Kinder unter zwölf Jahren. Keine Ausnahmen gibt es dagegen für erwachsene Menschen, die sich wegen einer Vorerkrankung oder etwa einer Schwangerschaft nicht impfen lassen.

Auch private Feiern mit 2G möglich

Private Veranstaltungen und Feiern wie zum Beispiel Hochzeiten können auch mit der 2G-Option stattfinden. Sie müssen nicht angemeldet werden. Dort fällt dann das Abstandsgebot weg. Es gibt keine Begrenzungen der Teilnehmerzahl, es sei denn, es soll getanzt werden. Dann gilt eine Höchstgrenze von 150 Personen und eine Maskenpflicht beim Tanzen. Draußen dürfen unter 2G-Regeln 750 Personen im privaten Rahmen feiern.

Restaurants und Kneipen: Keine Sperrstunde mehr mit 2G

In Gaststätten, in denen die 2G-Option gilt, können Tische wieder beliebig platziert werden, Masken müssen an festen Steh- und Sitzplätzen nicht mehr getragen werden und auch die Abstandspflicht entfällt. Es gibt keine Testpflicht mehr und die Sperrstunde ist für solche Betriebe aufgehoben.

Kulturelle Einrichtungen wie Theater, Kinos, Museen, Bibliotheken und Tierparks dürfen unter der 2G-Option wieder alle Plätze anbieten, in Inneneinrichtungen muss aber eine medizinische Maske getragen werden - ebenso beim Tanzen.

Mehr Menschen dürfen zu Veranstaltungen kommen

In Musikclubs, bei Livemusik-Veranstaltungen und bei Sport-Events dürfen bei geschlossenen Räumen 1.300 Menschen kommen, draußen bis zu 2.000. Wenn getanzt wird, liegen die Höchstgrenzen draußen bei 750 und drinnen bei 150 Menschen.

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Kontaktangaben in Geschäften nicht mehr nötig

Erleichterungen gibt es dann auch im Einzelhandel: Ebenfalls ab Sonnabend fällt in allen Hamburger Geschäften die Pflicht zur Kontaktnachverfolgung mit Luca-App oder Namenszetteln weg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.08.2021 | 08:00 Uhr

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