Eine Arzthelferin zieht in einer Praxis einer Hausärztin eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen das Corona-Virus auf.

Booster-Impfung gegen Corona: Hamburg bleibt bei seiner Linie

Stand: 05.11.2021 19:22 Uhr

Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern haben sich am Freitag darauf geeinigt, dass die dritte Impfung allen Menschen angeboten werden soll - nicht nur denen über 70 Jahren. Hamburg hält an der bisherigen Praxis fest.

Die Hamburger Sozialbehörde bleibt bei ihrer Linie: In Hamburg zähle das, was auch die Ständige Impfkommission vorgibt. Und die Stiko empfiehlt eben bislang die Booster-Impfung nur für alle über 70 Jahren. Das bedeutet: Wer jünger ist, der bekommt die dritte Impfung noch nicht bei den mobilen Impfteams in den Stadtteilen oder in den Krankenhäusern - denn dort wird im Auftrag der Sozialbehörde geimpft. Sollte die Stiko ihre Empfehlung ändern, werde Hamburg auch das umsetzen. Diese Linie sei nicht von spontanen politischen Willensbildungen bestimmt, sondern von einer medizinischen Erkenntnis, sagte Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde.

In der Praxis ändert sich nicht viel

Nur die Arztpraxen können also erst einmal den unter 70-Jährigen in Hamburg die Booster-Impfung verabreichen. Ganz viel ändern dürfte sich durch den Hamburger Sonderweg trotzdem nicht: Denn bei den allermeisten Menschen unter 70 liegt die erste und zweite Impfung noch keine sechs Monate zurück. Und sie müssen sich sowieso noch gedulden - nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland.

Bald neue Empfehlung der Stiko?

Außerdem wird damit gerechnet, dass die Ständige Impfkommission ihre Empfehlungen überarbeitet. Engpässe beim Impfstoff gibt es übrigens nicht: Laut Asklepios-Kliniken, die im Auftrag der Stadt impfen, ist momentan genug Impfstoff vorhanden.

Kritik von CDU und Linken

Die Hamburger CDU hat wenig Verständnis für die Entscheidung des Senats, auf eine neue Stiko-Empfehlung zu warten. Sie spricht von einem Alleingang des Senats in dieser Frage. "Der Impfschutz lässt mit der Zeit nach, und daher sollten wir alles dafür tun, den Impfschutz durch Booster-Impfungen hochzuhalten»" erklärte am Freitag der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stephan Gamm. "Nur Hamburg möchte diesen Weg zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitgehen", kritisierte der Abgeordnete. Auch die Linke meint, dass beim Impfen aufs Tempo gedrückt werden müsse.

Angesichts aktueller Rekordwerte bei der Zahl der Corona-Neuinfektionen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach der Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister aus Bund und Ländern am Freitag unter anderem verkündet, dass jeder, bei dem die Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt, eine Auffrischimpfung bekommen soll. "Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden, nicht die Ausnahme", so Spahn.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.11.2021 | 19:00 Uhr

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