Stand: 28.08.2018 11:43 Uhr

Vattenfall will bei Fernwärme im Boot bleiben

Im Streit um den Rückkauf des Hamburger Fernwärmenetzes hat Vattenfall der Stadt überraschend ein neues Angebot gemacht. Der Konzern will auf den Anschluss des Kraftwerks Moorburg verzichten. Stattdessen überlegt er, Gas möglichst effizient zu nutzen - und dafür das Leitungsnetz zu behalten. "Vattenfall möchte an der Weiterentwicklung der Fernwärme weiterarbeiten und ist bereit, sinnvolle Konzepte zu entwickeln und umzusetzen", sagte die Hamburger Sprecherin des schwedischen Energiekonzerns, Barbara Meyer-Bukow.

Ein neues Kraftwerk?

Bei dem ins Spiel gebrachten dritten Weg gehe es um eine "wirklich effiziente Nutzung des fossilen Energieträgers Gas." Nach Informationen von NDR 90,3 ist der Neubau eines Gas-Kraftwerks im Gespräch, das außer Wärme auch Strom produziert. Ein möglicher Standort dafür wäre Waltershof südlich der Elbe.

Bei der Stadt sieht man diese Offerte eines dritten Weges unter dauerhafter Einbeziehung des schwedischen Energieriesens skeptisch. "Über laufende Verhandlungen mit Vattenfall äußern wir uns nicht", sagte ein Sprecher der Umweltbehörde zwar. Aber: "Der Hamburger Senat arbeitet weiter daran, die Verpflichtung des Volksentscheids zur Übernahme der Energienetze umzusetzen." Dann wäre Vattenfall raus.

BUND: Volksentscheid trotzdem umsetzen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert trotz des neuen Vorstoßes von Vattenfall den Rückkauf des Fernwärmenetzes durch die Stadt. Wenn das Netz bei Vattenfall bleibe, verspiele der Senat seine politische Glaubwürdigkeit, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. "Der Rückkauf der Hamburger Fernwärme muss in jedem Fall erfolgen, das ist die Umsetzung eines Volksentscheides aus 2013. Alles andere wäre politisches Versagen." Dass Vattenfall jetzt eine Kompromisslinie fahre, sei ein Indiz dafür, dass die Fernwärme ein gutes Geschäft ist.

Die FDP lehnt den Vorschlag eines Kraftwerk-Neubaus ab. Die Kosten dafür müssten am Ende die Endverbraucher tragen. Der Fraktionsvorsitzende Michael Kruse bleibt bei seiner Forderung, das Kohlekraftwerk Moorburg an das Fernwärmenetz anzuschließen.

Stadt muss Netz bis 30. November zurückkaufen

Hintergrund ist der 2013 per Volksentscheid geforderte Rückkauf der Hamburger Energienetze. Die Stadt hat noch bis zum 30. November Zeit, das Fernwärmenetz inklusive des überalterten Kohle-Heizkraftwerks Wedel für insgesamt 950 Millionen zurückzukaufen. Nutzt sie diese Option nicht, bliebe die Fernwärme in privater Hand bei Vattenfall. Der Wert des Unternehmens liegt mittlerweile allerdings rund 300 Millionen Euro unter dem 2014 vereinbarten Mindestkaufpreis. Der Senat befürchtet, gegen die Haushaltsordnung zu verstoßen, sollte der Preis dennoch gezahlt werden.

Für Zeitdruck sorgt auch das in die Jahre gekommene Heizkraftwerk Wedel, das rund 120.000 Haushalte im Hamburger Westen mit Fernwärme versorgt, aber jährlich bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre pustet und 2021 stillgelegt werden soll. Vattenfall hatte sich bislang für einen Anschluss des Kraftwerks Moorburg als Ersatz starkgemacht. Die in dem modernen Steinkohle-Kraftwerk ohnehin anfallende Wärme wird bisher ungenutzt heruntergekühlt. Ein Anschluss Moorburgs an das Fernwärmenetz ist allerdings im Koalitionsvertrag der rot-grünen Regierung ausgeschlossen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.08.2018 | 12:00 Uhr

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