Stand: 11.05.2020 12:24 Uhr  - NDR 90,3

Pläne für neue Sternbrücke stoßen auf Widerstand

Der Lärmpegel an der Sternbrücke gehört zu den höchsten in Hamburg: S-Bahnen und Fernzüge rauschen oben über die Brücke, Autos, Lastwagen und Busse drunter durch und in Nicht-Corona-Zeiten kann es in den Clubs rund um die Brücke, die von der Sternbrücke gequert wird, auch nachts laut werden. Die vertraute Stahlbrücke soll durch eine 21 Meter hohe und 108 Meter lange Stabbogenbrücke ersetzt werden: Pfeilerlos soll die neue Brücke mitten im nördlichen Altona den Verkehrsfluss überspannen. Aber diese Pläne stoßen nicht auf leise Zustimmung, sondern auf lauten Unmut.

Initiative Sternbrücke reagiert mit Spott

Die Initiative Sternbrücke betrachtet die Brücke als verkehrsgeschichtlich bedeutendes Baudenkmal, das ohne Not aufgegeben werde. Die Inititative besteht unter anderem aus Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Club-Betreibenden - und es mangelt ihnen nicht an Spott und Kreativität als Reaktion auf die neuen Brückenpläne. Sie veröffentlichten Montagen, die etwa einen Containerfrachter oder die Elbphilharmonie zeigen, die die vielbefahrene Kreuzung Stresemannstraße/ Max-Brauer-Allee als gigantische Brücken überspannen.

Aber nicht nur die Anwohnerinnen und Anwohner, sondern auch die Architektenkammer erhebt lautstark Einspruch. "Hier merken wir, dass da Verkehrsplanung und Stadtplanung gegeneinander schlagen", sagt Karin Loose von der Hamburgischen Architektenkammer. "Dabei sollen die ineinandergreifen und es soll eine Synergie zwischen diesen Disziplinen geben."

Sternbrücke erinnert an Kontorhausviertel

Keine Alleingänge, sondern ein offenes Miteinander fordert auch der Denkmalschutz im Umgang mit dem Bauwerk. "Die Brücke steht auch deswegen unter Denkmalschutz, weil sie besonders aufwendig gestaltet wurde", sagt Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein Hamburg. Die Brücke sei im typischen Stil der 20er-Jahre erbaut und man fühle sich ein wenig ans Kontorhausviertel erinnert. "Die Backsteinelemente sind sehr expressionistisch und zugleich sehr modern."

Baubeginn soll 2023 sein

Eine Zukunftslösung, die den veränderten Verkehrs - und Lebensanforderungen entspricht, müsse her, heißt es hingegen aus dem Bezirksamt. Die neue Brücke böte die Chance, den Straßenraum neu zu verteilt wird, weil mehr Platz für Autos und Radfahrerinnen und Radfahrer vorgesehen sei. Die Kosten für die neue Sternbrücke betragen den Angaben zufolge 125 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2023 beginnen und bis 2026 dauern.

Weitere Informationen

Pläne für neue Sternbrücke vorgestellt

Die Bahn hat die Pläne für die Sternbrücke in Hamburg-Altona präsentiert. Die marode alte Brücke soll abgerissen und durch eine viel größere, bogenförmige Konstruktion ersetzt werden. (16.04.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.05.2020 | 19:30 Uhr

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