Partys in der Pandemie: Ein Insider aus Hamburg berichtet

Stand: 21.01.2022 13:33 Uhr

Mitten in der Corona-Pandemie werden in Hamburg Partys gefeiert - meistens im Verborgenen, an abgelegenen Orten, die erst kurz vorher in Social-Media-Kanälen im Internet bekannt gegeben werden. Einen Organisator solcher Veranstaltungen hat das Hamburg Journal im NDR Fernsehen zum Interview getroffen.

Vor der Kamera nennt er sich Max. Er sagt: "In erster Linie versammeln wir uns, um Spaß zu haben und uns in der Community gegenseitig zu unterstützen. Jeder Gast bringt etwas mit, ob es ein Beitrag ist beim Auf- oder Abbau, Deko oder Equipement." Was dabei herauskommt, wirkt auf jeden Fall professionell, von der Beleuchtung bis zum Sound. Finanziert seien die Self-Made-Partys durch Spenden, sagt Max. Um eine lebendige Tanzkultur geht es ihm und seinen Mitstreitenden, die sich in einem Kollektiv mit dem Namen "Supercluster" zusammentun.

Distanzierung von Corona-Leugnern

Von Corona-Leugnerinnen und -Leugnern wollen sie sich aber klar distanzieren, sagt Max. "Wir geben uns Mühe, alle aktuellen Corona-Maßnahmen einzuhalten. Allerdings stehen wir dann oft mit der Polizei da und googlen gemeinsam nach den aktuellen Verordnungen, da sich das so oft ändert, dass selbst die Polizei den Überblick verliert." Mit der Polizei hat Max schon mehrfach Bekanntschaft gemacht, er beschreibt den Kontakt als zumeist freundlich und respektvoll.

Erst Mitte Dezember hatten Polizistinnen und Polizisten unter einer Autobahnbrücke auf der Veddel eine Party aufgelöst, die Max mitorganisiert hatte. Laut Polizei war kein ausreichendes Schutzkonzept erkennbar, dafür kassierte Max eine Strafe von etwa 2.000 Euro. Er hält dagegen: Auf seinen Veranstaltungen würden auch Impfpässe kontrolliert und Kontaktdaten gesammelt.

Polizei: Illegale Partys werden "eher vereinzelt festgestellt"

Allgemein zum Phänomen illegaler Partys wollte sich die Polizei Hamburg dem NDR Hamburg Journal gegenüber nur schriftlich äußern. "Unsere Einsatzkräfte haben bei ihren täglichen Streifenfahrten immer auch ein Auge auf die Entdeckung solcher verbotener Veranstaltungen [...]. Illegale Partys gehören in Hamburg aber nicht zum Alltag, sondern werden eher vereinzelt festgestellt", heißt es in einer Stellungnahme.

Die eine illegale Partyszene gibt es nicht. Im Hammer Park zum Beispiel trafen sich Jugendliche offenbar spontan mit Alkohol und Musik. In anderen Fällen sprengte die Polizei größere, organisierte Events, wie vor einigen Wochen mit rund 100 Feiernden in einem Bootshaus. Bei Max‘ Party unter der Autobahnbrücke zählte die Polizei sogar bis zu 400 Gäste.

Organisator: "Solche Partys sind kein Verbrechen"

Max betont: "Solche Partys sind kein Verbrechen. Ausschließlich wegen der Eindämmungsverordnung ist es momentan eine Ordnungswidrigkeit - und das wird sich hoffentlich bald wieder ändern." Noch allerdings müssen Max und sein Kollektiv "Supercluster" weiterhin mit hohen Geldstrafen rechnen. Und auch Hausfriedensbruch wird ihnen vorgeworfen. Max kämpft dafür, dass die Partys, die er jetzt noch im Verborgenen feiert, bald legal möglich sind.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.01.2022 | 19:30 Uhr

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