Party und kaum Abstand: Polizei räumt Schanzenviertel
Tausende Menschen haben in der Nacht zum Sonntag auf den Straßen im Hamburger Schanzenviertel, an der Binnenalster und auf dem Kiez gefeiert. Die Polizei räumte das Schulterblatt, dabei kam es zu Flaschenwürfen.
Auf einer illegalen Party im Florapark hatten zunächst rund 1.500 Menschen zu Techno-Musik getanzt, die Lautsprecheranlage stand in einem weißen Transporter. Die Polizei löste die Party wegen mehrerer Verstöße gegen die Corona-Regeln auf, die Gäste flüchteten auf das Schulterblatt und in die umliegenden Straßen.
Kaum Abstand, nur wenige Masken
In den Außenbereichen der Bars und Restaurants waren bis zum späten Abend nahezu alle Plätze besetzt. In der Spitze trafen im Schanzenviertel nach Polizeiangaben rund 4.500 Menschen aufeinander. Auf den Gehwegen standen die Besucher und Besucherinnen dicht gedrängt. Sie mussten sich aneinander vorbeischieben. Mindestabstände wurden nicht eingehalten, es wurden kaum Masken getragen. Bei ausgelassener Stimmung kletterten einige unter Jubel auf Stromkästen und Verkehrsschilder, andere setzten sich auf fahrende Autos. Die Polizei zählte mehr als 400 Verstöße gegen die Corona-Regeln. Auch einige Sportwagen und Luxusautos fuhren über das Schulterblatt, die Fahrer wurden mit Jubel begrüßt.
Polizei mit Flaschen beworfen
Gegen 23 Uhr sperrte die Polizei das Schulterblatt. Viele der jungen Menschen feierten dennoch weiterhin dichtgedrängt auf der Straße. Polizeiketten schoben sie schließlich in Richtung Neuer Pferdemarkt. Einige bewarfen die Einsatzkräfte mit Glasflaschen, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Mehrere Einsatzwagen sollen beschädigt worden sein. Die Beamten und Beamtinnen führten einige Krawallmacher in Handschellen ab, laut Polizei wurden von ihnen die Personalien aufgenommen. Rund 100 Einsatzkräften waren vor Ort.
Fegebank spricht von "rücksichtsloser Massenparty"
Alle Hamburger Parteien haben die Massenpartys verurteilt. "Das war eine rücksichtslose Massenparty mit Potenzial für ein mögliches Corona-Superspreaderevent", sagte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). "Auf dem Ballermann geht es zurzeit gesitteter zu als auf dem Schulterblatt."
SPD und Linke unterstützen Kontrollen gegen Regelverstöße
Der innenpolitische Sprecher der SPD, Sören Schumacher, sieht die Polizei weiterhin dazu verpflichtet, die Corona-Regeln durchzusetzen. Er bedauerte, dass nicht alle sich verantwortungsbewusst verhalten würden. Das sieht Deniz Celik von den Linken ähnlich: Massive Verstöße gegen Abstands- und Hygieneregeln müssten von der Polizei unterbunden werden, betonte der Vizepräsident der Bürgerschaft. Er fordert Teststrategien, kluge Hygienekonzepte und Modellprojekte für die Hamburger Club- und Partyszene.
Auch AfD und CDU bedauern Anlass für Polizeieinsatz
AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann ermahnte die Hamburgerinnen und Hamburger, es gehe darum, die Freiheiten, die einem zustünden, mit Verantwortung zu nutzen. Es sei traurig, dass die Polizei ausrücken musste, so Nockemann. Auch Dennis Gladiator von der CDU zeigte sich von den Massenpartys enttäuscht: Es könne nicht sein, dass einige wenige Unvernünftige den gemeinsamen Erfolg der Hamburgerinnen und Hamburger aufs Spiel setzten.
Viel Betrieb am ganzen Wochenende
Schon in der Nacht zu Sonnabend war in den Ausgehvierteln viel los gewesen. Im gesamten Gebiet St. Pauli und Schanzenviertel sollen Schätzungen der Polizei zufolge mehr als 4.000 Menschen unterwegs gewesen sein. "Es wurde viel Alkohol getrunken, es gab zahlreiche Verstöße gegen Corona-Auflagen", hatte ein Sprecher gesagt.