Stand: 11.08.2020 06:44 Uhr  - NDR 90,3

Kanzlerkandidat Scholz: Lob und Kritik in Hamburg

Olaf Scholz © picture alliance / dpa Foto: Kay Nietfeld
Olaf Scholz: "Ich freue mich über die Nominierung und ich will gewinnen"

Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll für die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen. "Ich freue mich über die Nominierung und ich will gewinnen", sagte der frühere Hamburger Bürgermeister am Montag bei einer Pressekonferenz. Es sei "unser ganz ehrgeiziges Ziel, die nächste Bundestagswahl erfolgreich zu bestreiten und die nächste Regierung zu führen", so Scholz. Der Parteivorstand hatte Scholz kurz zuvor einstimmig als Kanzlerkandidaten nominiert. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans lobte Scholz' "durchsetzungsstarke Art" und "Besonnenheit", die Co-Vorsitzende Saskia Esken nannte ihn einen "Teamplayer".

Bürgermeister Tschentscher: "Olaf Scholz kann Kanzler"

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte: "Olaf Scholz kann Kanzler. Und er hat die nötige Erfahrung und die Führungsstärke, die in diesem wichtigsten Amt in der Bundespolitik erforderlich sind." Er kenne Scholz seit mehr als 20 Jahren und wisse, dass er genau das habe, was man brauche für einen erfolgreichen Wahlkampf. Mit ihm könne die SPD einen erfolgreichen Wahlkampf führen, um 2021 eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung zu bilden.

Hamburgs SPD-Chefin: "Gute Entscheidung"

Hamburgs SPD-Vorsitzende Melanie Leonhard begrüßte die Scholz-Kandidatur beim Kurznachrichtendienst Twitter als "gute Entscheidung". Mit der Nominierung hätten Präsidium und Vorstand die entscheidenden Weichen für einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf 2021 gestellt. "Olaf Scholz hat die nötige Kompetenz und Erfahrung", betonte die Sozialsenatorin.

Annen: Scholz hat die meiste Erfahrung

Ähnlich äußerte sich der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), im Gespräch mit NDR 90,3. "Olaf Scholz ist der Politiker, der die meiste Erfahrung mitbringt, der in dieser schwierigen internationalen Lage dieses Land führen kann", so Annen. Lobend äußerte sich auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dirk Kienscherf. "Olaf Scholz ist ein Mensch, auf den immer Verlass ist. Das hat er in der Finanzkrise genauso gezeigt wie aktuell als Vizekanzler in der Corona-Pandemie." Er sei ein Arbeiter, der mit Fleiß und Kompetenz die Dinge angehe, und deshalb ein besonders guter Kanzlerkandidat sei.

Scharfe Kritik von der Linken in Hamburg

Scharfe Kritik kam dagegen von den Hamburger Linken. Sie sprachen von einer "falschen Entscheidung". Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus erklärte: "Die Gremien der SPD hätten vor ihrer Entscheidung mal zu uns nach Hamburg kommen sollen, um sich zu informieren." Als Bürgermeister habe Scholz einen Scherbenhaufen hinterlassen. "Kürzungspolitik, Mietenwahnsinn und eine sozial gespaltene Stadt sind sein politisches Erbe." Nach dem Olympia-Debakel und dem Totalversagen beim G20-Gipfel hätte Scholz' politische Karriere eigentlich enden müssen, erklärte Boeddinghaus: "Dass Scholz mit dieser Bilanz in Berlin noch Karriere machen konnte, sagt viel über den Zustand der SPD aus."

Hamburger CDU: Scholz ein Verwalter, kein Gestalter

Hamburgs CDU-Chef Roland Heintze hält Scholz für einen Verwalter, nicht aber für einen Gestalter. "Die SPD-Spitze nominiert mit Scholz einen Kanzlerkandidaten, der nicht in der Lage ist, die nötigen Impulse zu setzen, um Deutschland zurück auf den Wachstumspfad zu führen." Für AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann ist eine Kanzlerkandidatur von Scholz "zum Scheitern verurteilt".

Scholz war von März 2011 bis März 2018 Erster Bürgermeister von Hamburg und wechselte dann an die Spitze des Finanzministeriums nach Berlin.

Weitere Informationen
Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat der SPD Olaf Scholz auf einem Porträtfoto. © dpa - Bildfunk Foto: Kay Nietfeld

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2020 | 17:00 Uhr

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