Neues "Hinz&Kunzt"-Haus: Eine Wohnung für Jens Cormann

Stand: 10.10.2021 20:28 Uhr

In Hamburg-St. Georg füllt sich das neue Haus des Straßenmagazins Hinz&Kunzt. Neben Redaktionsräumen gibt es mehrere Wohnungen. Sie sollen 24 Menschen ein dauerhaftes Zuhause bieten. Jens Cormann ist einer von ihnen - und nun eingezogen.

Das meiste, was Jens Cormann am Morgen des Umzugs noch packt, passt in seinen Ziehwagen. Fast zehn Jahre lang hat er auf der Straße gelebt. Vergangenes Jahr kam der 45-Jährige durch eine private Initiative während des Corona-Lockdowns in einem Hotel unter. Er musste nicht mehr draußen übernachten. Doch das Hotel war als Übergang zur eigenen Wohnung gedacht. Und bei ihm klappt das nun auch: Diese Woche ist er ins neu gebaute Hinz&Kunzt-Haus eingezogen. "Auf jeden Fall ist das ein schönes, auch ein komisches Gefühl, dass ich jetzt ins neue Haus umziehen kann", sagt Cormann.

Neues Haus mit Redaktionsräumen und Wohnungen

In dem neuen Haus in St. Georg haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Straßenmagazins bereits Ende September ihre Arbeitsplätze bezogen. Seit der ersten Idee für das Haus bis zur Eröffnung sind fast zehn Jahre vergangen. Neben Vertriebs- und Redaktionsräumen gibt es Platz für ehemals wohnungslose Menschen.

Gemachte Betten für den Neuanfang

Jens Cormann bekommt den Schlüssel für seine neue Wohnung im Hinz&Kunzt-Haus.
Schlüsselübergabe für Jens Cormanns (li.) neue vier Wände in Hamburg-St. Georg.

Neben einer Familienwohnung gibt es fünf Wohngemeinschaften für jeweils vier bis fünf Menschen. Hier lautet das Motto: "Die Betten sind gemacht." Für die neuen Bewohner ist das Wichtigste da, sie müssen nur einziehen.

Cormann ist froh, dass er nicht mehr auf der Straße lebt und will auch auf keinen Fall wieder in die Situation kommen. In der neuen Wohnung habe er keine Angst mehr und könne in Ruhe schlafen. "Auf der Straße hast du keine Privatsphäre. Hier hast du sie", sagt er.

Einrichtung mit Liebe fürs Detail

Ruhe und vor allem Stabilität - das sollen die Mieter finden, die hier einziehen. Der Auswahlprozess für die Wohngemeinschaften dauerte mehrere Monate. Auch die Einrichtung der Wohnungen hat das Team von Hinz& Kunzt mit viel Liebe fürs Detail geplant.

Stabilität durch unbefristete Mietverträge

"Es hat etwas mit Wertschätzung zu tun, für Menschen, die jetzt längere Zeit im Hotel waren, wohnungslos oder obdachlos waren, und die nun endlich mal einen Ort haben, wo sie ankommen", erklärt Jonas Gengnagel, Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt. Die Mieter bekämen unbefristete Verträge und wüssten so, dass sie in der Wohnung bleiben könnten - anders als im Winternotprogramm, was irgendwann ende oder in einer vorübergehenden Hotelunterbringung.

"Das soll auch von der Stadt gesehen werden", sagt Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt. "Dass, wenn man wohnungslosen Menschen eine hohe Wertschätzung entgegenbringt, man dann insgesamt unkomplizierter mit den Leuten umgehen kann." Das Konzept des Hauses sei daher ein wichtiges Leuchtturm-Projekt.

Alle unter einem Dach

Die Idee von Hinz&Kunzt war von Beginn an, alles unter einem Dach zu vereinen, vom Zeitungsverkäufer bis zur Redaktion. Wer in dem Haus wohnt, zahlt ganz normal Miete - bis zu 300 Euro. Die übernimmt das Jobcenter. Einige Bewohnerinnen und Bewohner wollen die Miete für ihr Zimmer durch den Zeitungsverkauf selbst finanzieren.

Jobsuche nach dem Einzug

Auch Cormann will weiterhin Zeitungen verkaufen. Wenn er in seinem Zimmer eingerichtet und angekommen ist, will er sich als nächstes einen neuen Job suchen. Seine eigenen vier Wände sind schon mal ein guter Anfang.

Weitere Informationen
Das neue Gebäude der Hamburger Straßenzeitung "Hinz&Kuntzt". © NDR Foto: Frauke Reinig

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.10.2021 | 19:30 Uhr

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