Stand: 29.01.2019 22:22 Uhr

Neue Forderungen: Wackelt der "Elbtower"?

Der geplante Bau eines Wolkenkratzers an den Hamburger Elbbrücken ist offenbar noch lange nicht sicher. Am Dienstag haben die Fraktionen von SPD und Grünen überraschend einen Zusatzantrag in den Haushaltsausschuss eingebracht. Darin forderten die Regierungsfraktionen vom Investor, dem Karstadt-Eigner René Benko, zahlreiche neue Zusagen. Der Ausschuss stimmte dem Antrag am Abend zu.

Die Bedingungen, die Grüne und SPD nun stellen, gehen sehr viel weiter als bisher: Unter anderem wird gefordert, dass der Bauherr vor Baubeginn verbindliche Mietverträge für 30 Prozent der geplanten rund 70.000 Quadratmeter Bürofläche mit einer Mindestlaufzeit von mindestens fünf Jahren nachweist. Für das geplante Hotel wird ein verbindlicher Pachtvertrag über 15 bis 20 Jahre verlangt. Außerdem soll sich die Stadt verpflichten, nicht selbst Flächen in dem Gebäude anzumieten.

Stapelfeldt optimistisch - Opposition skeptisch

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeld glaubt trotz der neuen Auflagen an eine Verwirklichung des Projekts. Die Bedingungen, die die Stadt Benko zusätzlich aufbürde, seien streng, aber erfüllbar, sagte die SPD-Politikerin. Sie gehe nicht davon aus, dass der Investor abspringe. Der Bauherr selbst äußerte sich bisher nicht. Die Opposition ist skeptischer: Der CDU-Abgeordnete Thilo Kleibauer sagte, mit den Plänen werde das Prestigeprojekt von Olaf Scholz jetzt offenbar komplett in Frage gestellt. Die Linken-Politikerin Heike Sudmann erklärte, der "Elbtower" werde nun sicherlich bald Geschichte sein, die Risiken seien zu groß.

Scholz hatte für "Elbtower" geworben

Vor einem Jahr hatte der frühere Bürgermeister Olaf Scholz im Zusammenhang mit dem "Elbtower" noch vom härtesten Vertrag gesprochen, der alle Risiken von Hamburg fernhalte. Der Investor sei finanzstark: "Er hat auch der Stadt Hamburg eine Garantie gegeben in ausreichender Größenordnung, sodass wir sicher sein können, dass dieses Haus auch gebaut wird."

SPD und Grüne sehen das nun offenbar anders. Der Vorsitzendes des Haushaltsausschusses, Mathias Petersen, sagte NDR 90,3: Das größte Hochhaus Deutschlands sei ein Riesenprojekt. Hamburg müsse sich absichern, den "Elbtower" nicht zu Ende bauen zu müssen, wenn der Investor aussteige. Einige Abgeordnete lehnten einen fast 245 Meter hohen Wolkenkratzer grundsätzlich ab, ergänzte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Markus Schreiber.

"Elbtower" soll Schlussstein der Hafencity werden

Geschätzte Kosten: Mindestens 700 Millionen Euro

Die geschätzten Baukosten für den Elbtower liegen bei 700 Millionen Euro. Der Chef der stadteigenen Hafencity GmbH, Jürgen Bruns-Berentelg, geht allerdings nicht davon aus, dass die Summe ausreicht. Übliche Preissteigerungen und der Innenausbau seien darin noch nicht berücksichtigt. Er rechne mit rund einer Milliarde Euro. Dazu kommen für Investor Benko 122 Millionen für den Kauf des Grundstücks und zusätzliche Kosten, um eine neue Kaimauer zu bauen und den Untergrund herzurichten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.01.2019 | 22:00 Uhr

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