Stand: 24.10.2016 11:05 Uhr

Nach Vergewaltigungsurteil: Revision eingelegt

Nach der brutalen Vergewaltigung einer 14-Jährigen in Harburg könnte der Prozess neu aufgerollt werden. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt. Das sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Nana Frombach, am Montag NDR 90,3. Das Landgericht hatte in der vergangenen Woche den 21-jährigen Haupttäter zu vier Jahren Haft verurteilt, vier Jugendliche bekamen Bewährungsstrafen.

Staatsanwaltschaft will Urteil überprüfen lassen

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für drei der Angeklagten härtere Strafen verlangt. Für einen 16-Jährigen hatte sie zwei Jahre und sechs Monate Jugendhaft beantragt - ohne Bewährung. Für einen 14-jährigen und einen 17-jährigen Täter hatte sie auf eine sogenannte Vorbewährung plädiert. Da hätte erst noch geprüft werden müssen, ob die Jugendlichen mit Bewährung davonkommen oder doch ins Gefängnis müssen. "Wir wollen überprüfen lassen, ob das mildere Urteil rechtsfehlerhaft ist“, erklärte Frombach.

Tausende unterstützen Online-Petition

Viele hatten das Urteil als zu milde kritisiert. Bis zum Montagmorgen hatten zum Beispiel schon mehr als 15.000 Menschen eine Online-Petition unterstützt, die die Hamburger Staatsanwaltschaft auffordert, Revision einzulegen. Frombach betonte jedoch, dass die Entscheidung für die Revision unabhängig von der Online-Petition erfolgt sei. Von solchen Petitionen lasse sich die Anklagebehörde bei ihrer Arbeit nicht beeinflussen.

Missbrauchtes Mädchen bei Eiseskälte in Hinterhof gelegt

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Vier der fünf Angeklagten wurden zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt.

Vier der Angeklagten hatten das Mädchen nach Überzeugung des Gerichts in der Nacht zum 11. Februar zuerst betrunken gemacht und dann in einer Wohnung in der Bornemannstraße in Harburg sexuell missbraucht. Eine 15-Jährige filmte die Tat mit ihrem Handy. Nach der Vergewaltigung sollen drei der Angeklagten die 14-Jährige, die leicht bekleidet und besinnungslos war, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einem Hinterhof zurückgelassen haben. Als die 14-Jährige gefunden wurde, war sie stark unterkühlt und musste auf die Intensivstation gebracht werden. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst auch wegen versuchten Mordes ermittelt.

Richter begründet Bewährungsstrafen

Die Angeklagten hätten das Mädchen wie ein Objekt behandelt, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. "Sie haben sie weggeworfen wie Müll." Die vier Jugendlichen hätten die Tat eingeräumt, Reue gezeigt und hätten eine günstige Sozialprognose, begründete der Richter die Bewährungsstrafen. Zum Teil sollen sie in Jugendeinrichtungen untergebracht werden oder Therapien machen. "Das mag einem Teil der Öffentlichkeit milde erscheinen", sagte der Richter. Im Jugendstrafrecht aber gehe es um Erziehung, nicht um Strafe. Verwandte und Freunde der angeklagten Jugendlichen im Zuschauerraum jubelten, als das Strafmaß verkündet wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.10.2016 | 11:00 Uhr

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