Stand: 15.02.2019 09:20 Uhr

Mikroplastik in Kosmetik: Hamburg will Verbot

Mit einer Bundesratsinitiative will Hamburg gegen die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika vorgehen. Gemeinsam mit Thüringen werde er am Freitag einen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen, der das Aus für Kunststoffpartikel in Reinigungs-, Hygiene- und Kosmetikprodukten fordert, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Mittwoch in Hamburg. "Es wäre viel einfacher, wenn die Hersteller endlich auf Mikroplastik verzichten würden. Freiwilligkeit hat hier bislang wenig bewirkt, deshalb wollen wir jetzt über den Bundesrat ein Verbot der Kunststoffteilchen in Kosmetika erreichen."

"Unterschätzte Gefahr"

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Hamburgs Umweltsenator Kerstan: "Freiwilligkeit hat bislang wenig gebracht." (Archivfoto)

Kleinste Plastikperlen in Kosmetika seien eine unterschätzte, aber tückische Gefahr für die Umwelt, sagte Kerstan. "Sie sind oft so winzig, dass die heutigen Kläranlagen sie nicht vollständig herausfiltern können. Eine Umrüstung wäre teuer und müsste von den Wasserkunden finanziert werden." Über Abwässer und Klärschlämme gelange das Plastik in Gewässer und Böden. "Über Aufnahme durch Lebewesen wird es Teil der Nahrungskette und damit auch zu einer Belastung der menschlichen Nahrungsgrundlagen sowie möglicherweise der menschlichen Gesundheit", heißt es in dem Antrag.

Nach einer Schätzung des Fraunhofer-Instituts werden in Deutschland pro Jahr etwa 330.000 Tonnen Mikroplastik freigesetzt. Der Anteil aus Kosmetik-Produkten ist demnach aber vergleichsweise gering. In der Liste der stärksten Mikroplastik-Quellen finden sie sich erst auf Platz 17. Die mit Abstand meisten Mikroplastikteilchen entsehen durch den Abrieb von Reifen. Laut Umweltbehörde gelangen durch Kosmetikprodukte aber immer noch pro Jahr rund 922 Tonnen festes Mikroplastik in die Kanalisation.

Kosmetikhersteller: Haben umgestellt

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Mikroplastik in Kosmetik per App erkennen

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Mikroplastik wird noch immer in Kosmetikartikeln wie Duschgel, Creme und Shampoo verwendet. Ob ein Produkt Plastikteilchen enthält, lässt sich per Smartphone-App herausfinden. Video (02:27 min)

Mit Beiersdorf und Unilever haben zwei der weltweit größten Kosmetikhersteller ihren Konzern- beziehungsweise Deutschland-Sitz in Hamburg. Beiersdorf mit seinen Marken Nivea und Eucerin hat nach eigenen Angaben 2013 entschieden, Polyethylen-Partikel in den Pflegeprodukten durch weniger umweltschädliche Alternativen auszuwechseln. Seit 2015 seien die Partikel überwiegend ersetzt worden, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Bis 2020 sollen den Angaben zufolge auch in abwaschbaren Produkten wie Shampoos und Duschgels feste synthetische Polymere ersetzt werden. Der Unilever-Konzern (Dove, Duschdas) nutzt nach eigenem Bekunden seit Anfang 2015 weltweit kein festes Mikroplastik mehr.

Verbraucher erkennen die Beimischung von Mikroplastik in Kosmetika unter anderem an Bezeichnungen wie Polyethylen (PE), Polyethylenterephthalat(PET), Nylon-6 und Acrylates Crosspolymer (ACS).

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Körperpflege ohne umweltschädliches Plastik

Mikroplastik wird noch immer in Kosmetikartikeln wie Duschgel, Creme und Shampoo verwendet. Ob ein Produkt Plastikteilchen enthält, lässt sich per Smartphone-App herausfinden. (18.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.02.2019 | 09:00 Uhr

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