Stand: 30.12.2019 22:10 Uhr  - NDR 90,3

Meerforelle ist zurück in der Alster

Angler Frank Schlichtung lehnt am Geländer der Poppenbütteler Schleuse.
Angler Frank Schlichtung steht an der Poppenbütteler Schleuse, wo er die erste Meerforelle aus dem Wasser holte.

Erstmals seit mehr als 100 Jahren sind in der Alster wieder ausgewachsene Exemplare der Meerforelle entdeckt worden. Meerforellen sind Wanderfische. Zum Laichen kommen sie aus dem Meer die Flüsse oder Bäche hinauf. Deswegen hat es wohl auch so lange gedauert, bis sich für Angler Frank Schlichting ein Traum erfüllt hat - bei einer Fischzählung an der Poppenbütteler Schleuse vor wenigen Wochen, als er den Fisch entdeckte. "Meinen Freudenschrei wird man sehr weit gehört haben", sagt Schlichting. Wenig später werden zehn weitere Tiere gefunden. "Das war für uns das Zeichen: Sie sind da, es funktioniert." Zuletzt war die Meerforelle laut BUND-Projekt Lebendige Alster Anfang des 20. Jahrhunderts in der Alster gefangen worden.

Hunderttausende Brütlinge ausgesetzt

Jahrelang hat Frank Schlichting junge Brütlinge in der Alster ausgesetzt, Hunderttausende, um die Meerforelle hier wieder zu etablieren. Die Brütlinge stammen unter anderem aus einer Fischzucht vor den Toren Hamburgs. Für die Zucht fangen Angler die Meerforellen, entnehmen ihnen die Eier und befruchten diese künstlich.

Eigentlich legen Meerforellen-Weibchen ihre Eier in ein Kiesbett in Bachläufen ab, das Männchen kommt dazu und befruchtet die Eier. "Durch Treibsand werden Kiesbetten zugesandet. Die Forellen legen ihre Eier in den Kies", erklärt Schlichting. Wenn diese im Kies befindlichen Eier zugesandet werden, würden sie sterben, deswegen müsse ein bisschen nachgeholfen werden.

Meerforellen-Befruchtung muss schnell gehen

Orangefarbene Meerforellen-Eier werden mit der Hand aus dem Fisch gestriffen und in einer Plastikschale gesammelt.
In der Fischzucht ist die Befruchtung der Meerforellen-Eier Handarbeit.

In der Fischzucht von Biologe Sergey Ragozin werden die Meerforellen in Teiche gesetzt und zur Laichzeit mit einem Kescher herausgeholt. Die orangefarbenen Eier werden mit der Hand aus dem Fisch gestriffen und in einer Plastikschale gesammelt. Der Samen der männlichen Meerforellen und ein Schuss Wasser kommen hinzu - und dann wird mit der Hand umgerührt. Diese Befruchtung muss schnell gehen, denn schon nach einer Minute schließen sich die Eier. Nach der mehrmonatigen Aufzucht werden aus rund zehn Prozent der Eier Meerforellen.

Bislang stammen die jungen Brütlinge noch aus der Luhe in Niedersachsen. Das möchte Schlichting ändern. "Meine Vision für die Zukunft wäre es, dass wir eine solche Befruchtung mit Fischen aus der Alster machen, vielleicht erlebe ich das als Rentner noch", sagt er und lacht.

Ausgewachsene Meerforelle unter Wasser.
Meerforellen brauchen Fischtreppen, um zum Laichen in die Alster zurückkehren zu können.
Fischtreppen helfen bei der Ansiedlung

Hamburg unterstützt die Ansiedlung der Meerforelle durch den Bau von Fischtreppen. An der Fuhlsbüttler Schleuse gibt es schon eine Fischaufstiegstreppe, an der Poppenbütteler Schleuse wird jetzt eine gebaut. Rechtzeitig genug, damit die in diesem Jahr befruchteten Meerforellen-Eier als erwachsene Fische - frühestens in fünf Jahren - zum Laichen in die Alster zurückkommen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.12.2019 | 19:30 Uhr

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