Stand: 27.01.2018 08:40 Uhr

Kommentar: Katholische Schulen im Stich gelassen

von Andreas Gaertner

Für viele Hamburger Eltern ist es ein Schock. Die katholische Kirche will bis zu acht ihrer 21 Schulen in Hamburg schließen. Sie begründet das damit, dass die jetzt schon hohen Schulden des Erzbistums in den kommenden Jahren auf mehr als 350 Millionen Euro steigen könnten. Die Sparpläne stoßen in Hamburg auf Unverständnis und Widerstand.

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Reporter Andreas Gaertner arbeitet in der Landespolitik-Redaktion von NDR 90,3.

Um Himmels willen - was ist in der katholischen Kirche los? Und wo ist der Erzbischof, in der schlimmsten Krise seit Bestehen seines Bistums? Aus den katholischen Schulen wird von weinenden Lehrern, verzweifelten Eltern und verunsicherten Schülern berichtet. Viele, ja fast alle, verstehen ihre Kirche nicht mehr. Ein, wie es neudeutsch heißt, "Shitstorm" hat das Erzbistum erreicht. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Dabei ist es nicht der Spar-Wille, der da so heftig kritisiert wird. Es ist die Art und Weise, wie das vermittelt und kommuniziert wurde. Die betroffenen Schulen wurden extrem kurzfristig informiert. Das Niels-Stensen-Gymnasium in Harburg zum Beispiel erst am Vorabend des geplanten Tags der offenen Tür, an dem für Neuanmeldungen geworben werden sollte. Jetzt dürfen keine Fünftklässler mehr aufgenommen werden.

Erzbistum verliert an Vertrauen

Die Liste der Vorwürfe an das Erzbistum wird immer länger: Vertrauen wurde verspielt, Zusagen wurden nicht eingehalten und wichtige Beteiligungsrechte wurden verletzt, sagen die Elternvertreter. Besonders bedauern die Eltern, dass sie sich jetzt am Widerstand gegen die Schließungen abarbeiten müssen. Sie sagen: Wir hätten unsere Möglichkeiten und unsere Energie lieber in die Suche nach Lösungen investiert.

Erzbischof Heße ist gefragt!

Andreas Gaertner  Foto: Marco Maas

Kommentar: Katholische Schulen im Stich gelassen

NDR 90,3 - Der Hamburg-Kommentar -

Acht katholische Schulen sollen in Hamburg geschlossen werden. Das Entsetzen darüber ist groß. Auch wird die fehlende Unterstützung von Erzbischof Stefan Heße beklagt. Ein Kommentar.

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Erzbischof Stefan Heße unterschätzt, wie viel Bedeutung und Einfluss Katholiken und katholische Schulen in Hamburg haben. Besonders übel wird ihm aber genommen, dass er sich seit Verkünden der Schließungs-Pläne nicht dazu geäußert hat. Das Kirchendach brennt - und der Erzbischof ist abgetaucht. Wo es eigentlich Chefsache wäre, zu erklären, sich für gemachte Fehler zu entschuldigen oder wenigstens Trost zu spenden.

Steht die Kirche nicht für Fürsorge und Nächstenliebe? Doch statt das möglichst vielen Kindern möglichst früh zu vermitteln, wird die Basis dafür wegrationalisiert. Der Schaden ist jetzt schon immens. Es ist höchste Zeit ihn zu begrenzen. Gemeinsam mit den Eltern müssen Lösungen gesucht werden. Und der Erzbischof muss zeigen, dass er für die Menschen, die noch an seine Kirche glauben, da ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 27.01.2018 | 08:40 Uhr

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