Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen

Köhlbrandbrücke: Abriss im Hinterzimmer beschlossen

Stand: 05.02.2021 17:12 Uhr

Die Tage der Köhlbrandbrücke sind gezählt und einen Neubau wird es nicht geben, das wissen wir seit dieser Woche definitiv. Der Senat plant als Ersatz für die marode Köhlbrandbrücke im Hafen einen Tunnel. Eine richtige, aber auch traurige Entscheidung.

Ein Kommentar von Dietrich Lehmann

Dietrich Lehmann im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
Dietrich Lehman meint in seinem Kommentar, dass die Entscheidung über den Abriss der Köhlbrandbrücke hätte offen diskutiert werden müssen.

Ein Wahrzeichen wie Michel und Rathaus: Wenn ich meinem Besuch zeigen will, was Hamburg ausmacht, dann gehört eine Fahrt über die Köhlbrandbrücke unbedingt dazu. Wo sonst gibt’s so einen Blick über die Containerterminals? Wo ist man höher als die meisten Schiffsgiganten, die an der Pier liegen? Und wo sonst schaut man so weit bis zur nördlichen Elbseite mit Michel und Elbphilharmonie? Keine Werbung für Hamburg, kein Film, der hier gedreht wird, kommt ohne die Köhlbrandbrücke aus. Ohne diese elegant geschwungene Konstruktion aus Stahl und Beton. Die Köhlbrandbrücke beweist, dass Zweckbauten auch schön sein können. Selbst nach 50 Jahren.

Ersatz für die Brücke ist notwendig

Klar: Die Brücke ist marode - und war nie für solche Belastungen gedacht, die sie heute aushalten muss, durch zehntausende Lastwagen jeden Tag. Und ja, ein Tunnel ist aus rein technischer Sicht sicherlich besser als eine neue, höhere Brücke. Aber warum wurde diese Entscheidung in den Hinterzimmern des Rathauses getroffen? Warum konnten die Hamburgerinnen und Hamburger nicht mitreden, wenn es um ihr Wahrzeichen geht? Man hätte die Menschen mitnehmen müssen, und ihnen die Vorteile eines Tunnels erläutern müssen. Das wäre hilfreich gewesen.

Freie und Abrissstadt Hamburg

Leider haben einsame Entscheidungen in Hamburg Tradition: Freie und Abrisstadt Hamburg - diesen wenig ehrenhaften Titel hat sich Hamburg in mehr als 200 Jahren verdient. Nichts erinnert noch an den damaligen Hamburger Dom unweit des Rathauses, der 1805 abgerissen wurde. Der störte die protestantischen Hamburger Kaufleute einfach nur. Man dachte damals, man braucht den Platz. Ganz nebenbei: Der Platz, wo der Dom stand, ist heute zum großen Teil eine Grünfläche.

Lasst uns mitreden!

Bei der Köhlbrandbrücke haben sich SPD und Grüne darauf geeinigt, dass möglichst die beiden hohen blauen Pfeiler stehen bleiben sollen, wenn es einen Tunnel gibt. Festgeschrieben ist das schon im Koalitionsvertrag. Aber wie bitte soll das denn aussehen, frage ich mich. Im besten Fall wie zwei überdimensionierte Kerzen. Auf jeden Fall müssen wir auch darüber reden. Was von der Köhlbrandbrücke bleibt, darf nicht schon wieder in Hinterzimmern entschieden werden.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 06.02.2021 | 08:40 Uhr

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