Stand: 06.02.2019 17:49 Uhr

Klimaschutz: Tschentscher setzt auf Technologie

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Hamburgs Bürgermeister Tschentscher bei seiner Rede zur "Zukunftsstadt Hamburg" im Übersee-Club.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) setzt beim Klimaschutz auf Wissenschaft und Technologie statt auf Verbote und Regulierungen. Im Interesse der Wirtschaft und einer modernen Lebensart könne dieser globalen Herausforderung nur so begegnet werden, sagte der SPD-Politiker am Dienstagabend vor rund 400 Mitgliedern des traditions- und einflussreichen Übersee-Clubs. Verbote, Beschränkungen und Regulierungen seien nicht der Kern der Lösung. "Es kommt nicht darauf an, immer neue Forderungen zur CO2-Reduzierung aufzusatteln und diese mit apokalyptischen Szenarien zu untermauern."

"Industrie Teil der Lösung"

Hamburg habe ehrgeizige Ziele in seinem Klimaplan und werde diese fortschreiben, sagte Tschentscher. Klimapolitik dürfe aber nicht wachstumsfeindlich sein. "Wir müssen uns so aufstellen, dass wir trotz Klimaschutzes wachsen können und dadurch die wirtschaftliche Kraft entwickeln, den technologischen Fortschritt umzusetzen." Er sehe die Industrie dabei nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung. "Wir sind ein wichtiger Industriestandort, und das wollen wir bleiben." Es gehe um Zehntausende Arbeitsplätze und einen Gesamtumsatz von mehr als 80 Milliarden Euro pro Jahr. Der Hafen sei eines der größten zusammenhängenden Industriegebiete Deutschlands.

Der Bürgermeister Peter Tschentscher.

Klimaschutz: Tschentscher-Rede vor Übersee-Club

Hamburg Journal -

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat eine Grundsatzrede vor dem traditionsreichen Übersee-Club gehalten. Vor den rund 400 Gästen stellte er den Klimaschutz in den Mittelpunkt.

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Tschentscher: Unternehmen haben Zeichen der Zeit erkannt

"Unsere Unternehmen zeigen auf vielfältige Weise, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben", sagte der Bürgermeister. Als Beispiele nannte er die Luftfahrtbranche und die Grundstoffindustrie, die seit Jahren den Energiebedarf der Flugzeuge beziehungsweise die Treibhausgasemissionen senkten. Er verwies auf CO2-Einsparungen durch den Rückkauf der Fernwärme und den geplanten Ersatz des veralteten Kohlekraftwerks Wedel. Zudem hätten Hamburg und Schleswig-Holstein vereinbart, den gesamten Strombedarf beider Länder bis 2035 nur noch mit regenerativer Energie zu decken, sagte Tschentscher.

"Hamburg hat sich immer neu auf Entwicklungen eingestellt"

Mit der Hamburger Wissenschaftstrategie, den Innovationsparks und der geplanten Science City Bahrenfeld sei Hamburg auf dem richtigen Weg, "die Grundlagenforschung zu fördern und ihre Erkenntnisse schnell in innovative Technologien umzusetzen". Die Hansestadt sei "attraktiv, modern und seit Jahrhunderten wirtschaftlich erfolgreich, weil sie sich immer wieder neu auf die Entwicklungen in der Welt eingestellt hat", sagte der Bürgermeister vor dem Übersee-Club.

1922 zur Förderung des Austauschs von Wirtschaft und Wissenschaft gegründet, bietet der Übersee-Club bedeutenden Persönlichkeiten seit Jahrzehnten ein Forum für Vorträge. Tschentschers Rede im Auditorium der Bucerius Law School stand unter der Überschrift "Zukunftsstadt Hamburg - Chancen des technologischen Fortschritts". Vor ihm hatten auch alle seine Vorgänger vor dem Übersee-Club gesprochen.

Unternehmer sehen Bekenntnis zur Wirtschaft

Norddeutschlands Unternehmer begrüßten die Rede als "Bekenntnis zur Wirtschaft ohne Wenn und Aber". Es sei eine klare Ansage Tschentschers, "gemeinsam mit der Wirtschaft Klimaschutz und Energiewende zu meistern - ohne Verbote, Beschränkungen und Symbolpolitik, die nur den Zeigefinger erhebt und doch nichts bringt, wie Fahrverbote zeigen", sagte der Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, Uli Wachholtz.

Die Hamburger Industrie stehe für das von Tschentscher angeregte Klimaschutz-Bündnis bereit, sagte Verbandschef Matthias Boxberger am Mittwoch und zeigte sich erfreut, "dass der Bürgermeister das Engagement der Hamburger Industrie für den Klimaschutz jetzt ausdrücklich würdigt".

Lob vom Koalitionspartner - Kritik der Opposition

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) lobte die vielen Übereinstimmungen mit dem grünen Leitbild "Klimaneutrales Hamburg 2050", die Tschentscher aufgezeigt habe. "Ich bringe mich da gerne ein und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit", sagte er in Bezug auf das Klimaschutz-Bündnis. Die Gemeinsamkeiten mit dem Bürgermeister würde er gern nutzen, wenn es beim Klimaschutz in Hamburg konkret wird - zum Beispiel beim neuen Klimaplan.

Kritisch sieht man das Bemühen des Bürgermeisters bei der Opposition. "Ein Wettbewerb zwischen SPD und Grünen, wer der extremere Ökoprediger ist, wird der Bürgermeister nicht gewinnen können, auch wenn er viele interessante Fragen aufgeworfen hat", sagte CDU-Fraktionschef André Trepoll. Die Hamburger Industrie sei längst Vorreiter für den Einsatz umweltschonender Technologien. Für die Linke kritisierte deren umweltpolitischer Sprecher Stephan Jersch, dass Tschentscher beim Klimaschutz lediglich auf Freiwilligkeit ohne Sanktionsmöglichkeiten setze. Ohne eine klare Steuerung werde es keine erfolgreiche Klimawende geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.02.2019 | 06:00 Uhr

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