Stand: 13.02.2018 12:01 Uhr

Katholische Schulen: Druck auf Kirche wächst

Es ist eine ernsthafte Mahnung aus dem Rathaus an das Erzbistum Hamburg: SPD und Grüne in der Stadt haben die katholische Kirche aufgefordert, den aktuellen Rettungsplänen für acht von Schließung bedrohten Schulen eine echte Chance zu geben. Eine Bürgerinitiative hatte die Gründung der "Hamburger Schulgenossenschaft" vorgeschlagen. Sie soll alle 21 katholischen Schulen übernehmen - darunter auch die acht betroffenen.

Erzbischof Stefan Heße hatte jedoch am Freitag im Gespräch mit NDR 90,3 und dem Hamburg Journal erklärt, seine Kirche wolle Träger für die wirtschaftlich gesunden 13 Schulen bleiben. Das Bistum plane diese Häuser in Eigenregie weiterzuführen und wolle Schulträger bleiben.

Initiative will alle katholischen Schulen übernehmen

Damit aber droht der Plan der Genossenschaftsinitiative zu scheitern. Sie hatte bei der Vorstellung ihres Rettungsplans zur Bedingung gemacht, alle 21 katholischen Schulen zu übernehmen. So soll die Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden. Man wolle keine "Bad Bank" nur für die acht bedrohten Schulen werden.

Forderung nach Flexibilität

Die Fraktionschefs der SPD, Andreas Dressel, und der Grünen, Anjes Tjarks, fordern deshalb jetzt "ernsthafte, ergebnisoffene Gespräche" und Flexibilität vom Erzbistum.

Unterdessen wächst die Unterstützung für Genossenschaftsinitiative: Zehn Tage nach Vorstellung ihres Rettungsplans meldet sie mehr als 1.000 Unterstützer. Darunter sind Prominente wie der Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse oder Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt.

Fünf Schulen nehmen keine Schüler mehr auf

Von den Schließungsplänen betroffen sind die Grundschule St. Marien in Altona, die Domschule St. Marien in St. Georg, die Grund- und Stadtteilschule Altona, die Franz-von-Assisi-Schule in Barmbek und das Niels-Stensen-Gymnasium in Harburg. An diesen fünf Schulen sollen bereits im kommenden Schuljahr 2018/19 keine Schüler mehr in die Vorschule, in die erste und in die fünfte Klasse aufgenommen werden. Ein Jahr später sollen die Sophienschule in Barmbek sowie die beiden Grund- und Stadtteilschulen in Harburg und in Neugraben folgen. Alle Schüler, die derzeit die betroffenen Standorte besuchen, sollen ihre Schulzeit dort beenden können.

Am Niels-Stensen-Gymnasiums in Harburg könnten aber alle Schüler, die dort derzeit zur Schule gehen, noch Abitur machen - auch bei einer Schließung, hatte Heße erklärt.

Große finanzielle Schwierigkeiten

Das Erzbistum Hamburg ist mit knapp 80 Millionen Euro überschuldet. Nach einem Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young würde die Summe bis 2021 auf bis zu 350 Millionen Euro anwachsen, falls nicht umgesteuert wird. Das Erzbistum unterhält in Hamburg bislang 18 Grund- und Stadtteilschulen sowie drei Gymnasien mit insgesamt rund 9.000 Schülern. Es ist damit größter privater Schulträger der Hansestadt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.02.2018 | 10:00 Uhr

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