Der Schriftzug "Heinrich-Pette-Institut" ist über einem Eingang zum Institut zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Heinrich-Pette-Institut wird umbenannt

Stand: 09.04.2021 12:44 Uhr

Das Hamburger Heinrich-Pette-Institut wird seinen Namen ändern und vorläufig nur noch "Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie" heißen. Das teilte die Wissenschaftsbehörde am Freitag mit.

Ausschlaggebend waren zwei Gutachten, in denen die Rolle des Virologen Heinrich Pette in der NS-Zeit untersucht wurde. Der war seit 1933 Mitglied der NSDAP und unterzeichnete das Bekenntnis deutscher Professoren zu Adolf Hitler. Pette war als Facharzt für Neurologie an sogenannten "Erbgesundheitsverfahren zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" beteiligt und sprach sich in diesem Rahmen für die Sterilisierung von Menschen aus.

Von Euthanasie-Verbrechen gewusst

Die Gutachten kamen auch zu dem Schluss, dass Pette von Euthanasie-Verbrechen zwar gewusst, aber nicht direkt daran beteiligt war. Das Hamburger Institut war 1964 nach Pette benannt worden, um seine Forschungen insbesondere im Bereich der Kinderlähmung zu würdigen.

Genau diese Ambivalenz zwischen seiner Tätigkeit während der NS-Zeit und seinen Erfolgen im Bereich Polio-Forschung hätten die Auseinandersetzung mit der Person Heinrich Pette so schwer gemacht, meint der heutige Chef des Instituts, Thomas Dobner.

Fegebank: Wichtig für die Demokratie

Dass man sich jetzt für die Namensänderung entschieden hat, begrüßte auch Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). "Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist wichtig für unsere Demokratie." Einen neuen Namen für das Institut will man bis Ende kommenden Jahres finden. Das Kürzel "HPI" werde vorerst aber weiter verwendet, sagte eine Sprecherin.

Das Institut spielt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle. Zurzeit werden dort unter anderem Gensequenzierungen von Virenproben durchgeführt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.04.2021 | 13:00 Uhr

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