Hamburgs Matthiae-Mahl als Online-Konferenz

Stand: 19.02.2021 22:06 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie hat das traditionsreiche Matthiae-Mahlin diesem Jahr als Online-Konferenz stattgefunden. Im Großen Festsaal des Rathauses sprach Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitag mit zugeschalteten Ehrengästen über Klimaschutz.

Wo sonst rund 400 Gäste dinieren, war diesmal nur eine symbolisch eingedeckte kleine Tafel aufgebaut. Tschentscher begrüßte in der Online-Konferenz unter anderem die beiden Ehrengäste Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Warschaus Bürgermeister Rafal Trzaskowski, der auch Berichterstatter für den Klimapakt der Europäischen Union ist. Zentrales Thema war der Klimaschutz: Es ging um die Frage, was die großen Metropolen in Europa für den Klimaschutz tun können.

Tschentscher: Klimaschutz eine "epochale Aufgabe"

"Internationale Zusammenarbeit ist nicht nur wichtig für uns in Hamburg", sagte Tschentscher. "Sie ist auch erforderlich, wenn wir die großen weltweiten Probleme unserer Zeit bewältigen wollen." Das gelte ganz besonders "für unsere gemeinsame Verantwortung, die Erderwärmung zu begrenzen." Das sei eine epochale Aufgabe.

Die entscheidenden Schritte dafür müssten in den Metropolen gemacht werden. "Die Metropolen haben die Verantwortung, aber auch die Kraft, diese Fragen zu lösen." Der Bürgermeister dankte dem Umweltministerium für die Unterstützung dabei, das Kohlekraftwerk in Moorburg abschalten zu können. Dort könne man den Standort jetzt zu einem der weltweit größten Produktionsstätten für regenerativen Wasserstoff weiterentwickeln.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). © NDR Foto: Screenshot
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, die Technologie des "grünen Wasserstoffs" biete gerade Hamburg die Möglichkeit, klimaneutral zu werden.
Umweltministerin: "In historischen Dimensionen denken"

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, die Technologie des "grünen Wasserstoffs" biete gerade Hamburg die Möglichkeit, klimaneutral zu werden. "Wenn wir die Natur in die Stadt holen, dann werden die Städte noch lebenswerter", sagte Schulze. "Dieses historische Festmahl regt dazu an, in historischen Dimensionen zu denken. Und was ein steigender Meeresspiegel langfristig für Hamburg bedeutet, das möchte ich mir gar nicht vorstellen."

 

Tschentscher betonte die Gemeinsamkeiten Hamburgs und Warschaus und erinnerte an gemeinsame Projekte mit mehreren europäischen Städten beim Klimaschutz. In Richtung Trzaskowski sagte er: "Ich würde mich freuen, die Zusammenarbeit mit Warschau zu vertiefen."

Warschau will bis 2050 klimaneutral sein

Warschaus Bürgermeister Rafal Trzaskowski. © NDR Foto: Screenshot
"Es ist mir eine Freude und Ehre, beim Matthiae-Mahl sprechen zu dürfen", sagte Warschaus Bürgermeister Rafal Trzaskowski.

Der Warschauer Bürgermeister sagte, es gebe eine Menge, das man voneinander lernen könne. Er betonte in seiner Rede, dass seine Stadt bis 2050 klimaneutral sein wolle. Mit dem Energiemix, den man in Polen derzeit habe, sei das nicht leicht, da er vor allem auf Kohle beruhe. In Warschau werde allerdings viel dafür getan, zum Beispiel mit der Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Stadt habe auch die kohlebefeuerten Öfen in städtischen Gebäuden um die Hälfte reduziert. Erneuerbare Energien für die Bürger würden gefördert. Nach zwei Jahren solcher Maßnahmen zeige sich in Teilen Warschaus, dass die Luft sauberer geworden sei.

Matthiae-Mahl hat lange Tradition

Das Hamburger Matthiae-Mahl ist nach dem Matthiastag benannt. Im Mittelalter galt dieser Tag als Frühlingsbeginn und er war auch der Auftakt für das neue Geschäftsjahr. Eingeladen werden traditionell Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft und das gesamte Konsularische Korps. Berühmte Gäste waren beispielsweise Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der viermal Ehrengast war, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Königin Silvia von Schweden und Tennisstar Steffi Graf.

Das Matthiae-Mahl wurde 1356 zum ersten Mal gefeiert. Eine historische Anordnung sieht vor, dass es nur stattfindet, "wenn die Zeitläufte es erlauben". Nach 1724 wurde die Feier über 200 Jahre lang ausgesetzt.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 19.02.2021 | 19:30 Uhr

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