Stand: 13.06.2019 20:47 Uhr

Hamburger Tanker offenbar angegriffen

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Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate hat es einen Zwischenfall mit zwei Tankern gegeben.

Im Golf von Oman sind am Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement teilte in Singapur mit, ihr Tanker "Kokuka Courageous" sei nach einem mutmaßlichen Angriff evakuiert worden. Eines der 21 Besatzungsmitglieder des unter der Flagge Panamas fahrenden Schiffs sei leicht verletzt worden, erklärte ein Sprecher NDR 90,3.

Methanol an Bord

Bei den Seeleuten handele es sich ausnahmslos um Philippiner. Deutsche seien nicht an Bord gewesen, sagte der Sprecher weiter. Die "Kokuka Courageous" hat entzündliches Methanol an Bord und war auf dem Weg von Saudi-Arabien nach Singapur. Am Morgen befand sich das Schiff rund 14 Meilen, also etwa 25 Kilometer von der iranischen Küste entfernt.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hat mindestens ein Torpedo das Schiff auf der Steuerbordseite getroffen. Laut der Reederei besteht keine Gefahr, dass dieses Schiff sinkt. Die Ladung sei "intakt". Der Schaden sei auf der Steuerbordseite im hinteren Teil des Frachters, sagte der Sprecher. Laut der Hamburger Staatsanwaltschaft wird die "Kokuka Courageous" nicht von Deutschland aus betrieben oder verwaltet. Die Bernhard Schulte Shipmanagement gehört zur Schulte Group, deren Holdinggesellschaft die Hamburger Bernhard Schulte GmbH & Co. KG ist.

Zweites Schiff vermutlich auch von Torpedo getroffen

Bei dem anderen Tanker handelt es sich um einen Öltanker der norwegischen Gesellschaft Frontline. Frontline gilt als die größte Tankerflotte der Erde. Sie ist im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf die "Front Altair". Hintergründe seien unklar, man rate norwegischen Schiffen aber, bis auf Weiteres Abstand zu iranischen Fahrwassern zu halten.

Die "Front Altair" unter der Flagge der Marschallinseln sei vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emiraten von einem Torpedo getroffen, berichtete die Schifffahrtszeitung "Tradewinds" unter Berufung auf Branchenkreise. Die Reederei der "Front Altair" hingegen bestätigte eine Attacke auf den Öltanker zunächst nicht. Bisher sei nur klar, dass es eine Explosion und einen Brand an Bord gegeben habe, sagte ein Sprecher der Reederei.

44 Seeleute aufgenommen

Beide Tankerbesatzungen haben ihre Schiffe mit Rettungsbooten verlassen. Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, ein iranisches Schiff habe 44 Seeleute der beiden beschädigten Öltanker aufgenommen. Sie seien in einen Hafen des Irans gebracht worden.

USA machen Iran verantwortlich

Bislang ist unklar, wer hinter den Angriffen steckt. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte US-Außenminister Mike Pompeo in Washington bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit. Die EU warnte nach den aktuellen Vorfällen vor vorschnellen Reaktionen. "Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

Iran spricht von Explosion

Der Iran untersucht die schweren Zwischenfälle. Ein Sprecher der Rettungsabteilung der iranischen Flotte sagte, mehrere Expertenteams seien mit Hubschraubern über das Seegebiet geflogen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden schon bald vorgestellt, sagte der Sprecher weiter. Die iranischen Behörden sprechen bis jetzt von einer Explosion, nicht aber von einem Angriff.

Schwere Attacken

Bereits vor rund einem Monat hatte es mehrere Attacken auf Schiffe in der Region gegeben, allerdings nicht mit so schwerwiegenden Schäden. Nach ersten Ermittlungen ist für die damaligen Angriffe wahrscheinlich der Iran und seine Revolutionsgarden verantwortlich. Eine Bestätigung gibt es nicht. Nachdem die USA das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt haben, droht der Konflikt zwischen beiden Ländern zu eskalieren. Die US-Navy hat mehrere Schiffe und Flugzeugträger in die Region geschickt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.06.2019 | 17:00 Uhr

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