Stand: 16.08.2019 13:22 Uhr

Hamburg gegen immer größere Containerschiffe

Hamburg will den Trend zu immer größeren Containerschiffen stoppen. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) hat deshalb im Gespräch mit NDR 90,3 einen Vorstoß bei der EU angekündigt.

Milliarden-Investitionen für die Häfen

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Die größten Frachter transportieren mehr als 20.000 Container.

400 Meter lang, mehr als 50 Meter breit und Platz für mehr als 20.000 Boxen: Um die derzeit größten Containerschiffe abfertigen zu können, haben die Häfen weltweit in den vergangenen Jahren viele Milliarden Euro investiert. Benötigt werden tiefere Hafenzufahrten, größere Kräne und mehr Platz an Land, um die auf einmal angelieferten Container auch unterbringen zu können. Bei jeder neuen Schiffsgeneration müssen Häfen wie Hamburg investieren, um mithalten zu können. Die Kosten für die Infrastruktur trägt aber in der Regel der Steuerzahler. Werften in Asien planen jedoch bereits noch größere Frachter. Wirtschaftssenator Westhagemann: "Jetzt sollte es mit dem Wachstum vorbei sein, am liebsten würden wir es stoppen."

"Das wird nicht wirtschaftlicher"

Die EU soll seiner Meinung nach Druck auf die Reeder ausüben, damit diese auf noch größere Schiffe verzichten. Unterstützung kommt dabei vom europäischen Hafenverband - aber auch von zahlreichen Reedern, mit denen Westhagemann in den vergangenen Wochen gesprochen hat. "Das wird nicht wirtschaftlicher, auch für den Reeder nicht. Im Gegenteil: Die haben jetzt auch festgestellt, dass kleinere Containerschiffe viel wirtschaftlicher zu betreiben sind."

Kein Hamburger Alleingang

Einen Hamburger Alleingang, um noch größere Containerschiffe zu verbieten, schließt der Wirtschaftssenator allerdings aus. Das sei ein Problem, das nur auf europäischer Ebene gelöst werden könne.

NABU nennt "Vorstoß überfällig"

Die Aussagen Westhagemanns lösten ein überwiegend postives Echo aus. Dieser Vorstoß sei mehr als überfällig, sagt Malte Siegert von der Umweltschutzorganisation NABU. Die immer größeren Schiffe hätten dazu geführt, dass in Europa viele Flussläufe erheblich ausgebaut wurden - und das zu lasten der Ökologie. Dass die Debatte erst jetzt - nach Beginn der Elbvertiefung beginnt, habe aber eine Beigeschmack, sagte Siegert.

HPA sieht Hamburger Hafen gut gerüstet

Jens Meier, Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), betonte, dass der Hamburger Hafen auch aufgrund seiner Hinterlandanbindung, gut auf die größten Schiffe der Welt vorbereitet sei. Allerdings gebe es inzwischen bei vielen Häfen weltweit Sorgen davor, dass Frachter noch größer werden. Meier: "Mittlerweile gibt es eine breite Einigkeit, dass das in der Entwicklung nichts mehr bringt."

Hapag-Lloyd-Chef: "Markt wird entscheiden"

Skeptisch angesichts des Vorstoßes zur Größenbegrenzung zeigte sich Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen: "Ich glaube, am Ende wird der Markt entscheiden. Ich glaube, es ist sehr schwierig für die Politik, das zu entscheiden. Aber natürlich, wenn es eine Entscheidung gibt, dann würden wir uns daran halten. Aber ich glaube, im Moment ist es nicht notwendig."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.08.2019 | 06:00 Uhr

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