Die zwei Angeklagten Männer sitzen im Gerichtssaal und verdecken ihre Gesichter mit Mappen. © NDR Foto: Elke Spanner

Haftstrafen wegen der Misshandlung eines Mitbewohners

Stand: 29.08.2022 18:13 Uhr

Das Hamburger Landgericht hat am Montag zwei Männer zu Haftstrafen verurteilt. Vor rund einem Jahr misshandelten die beiden Handwerker einen Mitbewohner schwer und verletzten ihn lebensgefährlich.

In einer Monteurswohnung in der Cuxhavener Straße im Hamburger Stadtteil Hausbruch spielten sich im August vergangenen Jahres grausame Szenen ab: Der 35-jährige Hauptangeklagte hatte das Opfer nach Überzeugung der Richter über zwei Tage hinweg gequält. Demnach bewarf er den 43-Jährigen mit Möbeln, schlug und trat ihn. Außerdem stieß er ihn durch eine gläserne Duschkabine und zwang ihn, sich nackt auf dem Boden zu knien und das eigene Blut aufzuwischen. Davon machte der 35-Jährige dann Fotos. Als Trophäe, so der Richter.

Das Opfer erlitt bei den schweren Angriffen lebensgefährliche Verletzungen und überlebte nur, weil ein anderer Mitbewohner schließlich Hilfe holte. Die zuerst eingetroffenen Polizeibeamten hatten den 43-Jährigen sogar zunächst für tot erklärt.

Elke Spanner, NDR 90,3, berichtet über einen Prozess. © NDR
AUDIO: Prozess: Handwerker foltern Mitbewohner (1 Min)

Mehr als sieben Jahre Haft für den Hauptangeklagten

Für die Taten verurteilte das Landgericht den Hauptangeklagten zu einer Haft von sieben Jahren und zehn Monaten. Wie kommen Menschen dazu, einen anderen so zuzurichten? "Wir konnten nicht auf alle Fragen eine Antwort finden," sagte der Vorsitzende Richter dazu. In der Urteilsbegründung finden sich Begriffe wie Demütigung, Erniedrigung, Rohheit und Erbarmungslosigkeit.

Haupttäter hatte zwei Mittäter

Einen zweiten Handwerker im Alter von 36 Jahren verurteilte das Gericht zu einer Haftstrafe von zehn Monaten. Er habe bei den Misshandlungen zwar mitgeholfen, allerdings nur, weil er vom Hauptangeklagten dazu gezwungen worden sei - und Angst hatte, ansonsten selbst gequält zu werden. Ein dritter mutmaßlicher Täter wurde inzwischen in Polen verhaftet. Somit wird es in dem Fall vermutlich noch einen weiteren Prozess in Hamburg geben.

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Die beiden 35-jährigen Angeklagten (2.v.l. und 4.v.l.) im Prozess wegen versuchten Mordes warten auf den Beginn der Verhandlung in einem Saal im Landgericht Hamburg © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.08.2022 | 17:00 Uhr

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