Stand: 06.09.2020 18:13 Uhr

HSV-Trainer Thioune: "Wir werden auch noch mal stolpern"

von Lars Pegelow

Ziemlich genau vier Wochen kennt Daniel Thioune jetzt die Mannschaft des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV. Eine Woche vor dem Start in das erste Pflichtspiel, die DFB-Pokal-Partie bei Dynamo Dresden am 14. September, hat Thioune das NDR 90,3 Studio besucht. Er gab Einblicke in seine Arbeit in Hamburg, seinen Werdegang und seine Ziele. Und natürlich einen Überblick über aktuelle Themen. Dass er mit dem HSV nach oben möchte, ist klar. Daniel Thioune ist sich aber sicher: "Wir werden auf unserem Weg auch noch ein paar Mal stolpern."

Nach dem 2:0 in der Generalprobe vor dem Pflichtspielstart gegen Hertha BSC konnte Thioune sehr zufrieden sein. "Ich war einverstanden mit der Leistung", erklärte der 46-Jährige, selbst wenn Aufwand und Ertrag – wie er es nannte – noch nicht im richtigen Verhältnis stehen. "Aber wenn ein Teil von dem, was ich den Spielern in den vergangenen Wochen mitgegeben habe, hängen geblieben ist – das ist doch schon ganz gut."

"Julian Pollersbeck ist etwas HSV-müde"

Für viel Aufmerksamkeit hat Thiounes Entscheidung gesorgt, Torwart Julian Pollersbeck nur noch zur Nummer 3 zu machen und damit quasi auszusortieren. Daniel Heuer Fernandes und Tom Mickel werden sich in den kommenden Tagen darüber streiten, wer als Nummer 1 zum Pokalspiel in Dresden und damit in die gesamte Saison geht. "Wir brauchen Spieler, die zu 100 Prozent beim HSV sind", sagte Thioune nach einem langen Gespräch mit Pollersbeck. "Mein Eindruck ist, dass ‚Polle‘ mittlerweile etwas HSV-müde ist."

"Wer Kapitän wird, steht noch nicht fest"

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Sorgen macht sich Thioune auch um Stürmer Bakery Jatta, der im Hertha-Test eine Leistenverletzung erlitten hat. Ein MRT soll am Montag Klarheit über die Schwere der Verletzung bringen. Noch nicht geklärt ist, wer neuer HSV-Kapitän wird. Daniel Thioune hatte bei den Testspielen viele Spieler ausprobiert. "Ich habe eine Reaktion von den Spielern erwartet", so Thioune. "Wer übernimmt Verantwortung? Für wen kann die Binde zu schwer werden? Demnächst wird der Mannschaftsrat gewählt, und daraus bestimme ich dann den Kapitän. Wer es wird, steht noch nicht fest."

"Osnabrück ist meine Heimat, Hamburg mein Zuhause"

Mit seiner Frau und seinem 17-Jährigen Sohn hat Daniel Thioune mittlerweile ein neues Zuhause in den Hamburger Elbvororten gefunden. "Osnabrück bleibt meine Heimat, meine Basis", sagt der HSV-Trainer. "Aber wir haben in der Familie gemeinsam die Entscheidung getroffen, Hamburg und den HSV als Herausforderung und Chance zu sehen. Es ist die Möglichkeit auf etwas Neues und wir sind sehr offen dafür." Nur die ältere Tochter hat Thioune in Osnabrück gelassen, wo sie studiert.

"Ich lasse mir von niemandem sagen, dass ich etwas nicht kann"

Für Daniel Thioune ist der Trainerjob ein "Traumjob": "Es ist genau das, was ich im Moment machen möchte." Dabei kommt ihm seine Lebenserfahrung zu Gute. "Ich bin schon ein paar Mal in meinem Leben gestolpert", berichtet er. "Aber ich war auch immer in der Lage, wieder aufzustehen." Daraus ergeben sich auch seine Werte-Vorstellungen, die in den HSV-Job einfließen. Er möchte jedem Gegenüber mit Respekt begegnen, sagt Daniel Thioune. "Ein No-Go ist allerdings, wenn sich ein Spieler größer definiert als das Team. Das spreche ich dann an. Es ist wichtig, dass die Lokomotive läuft. Wird sie von einem Wagon gebremst, müssen wir uns von dem Wagon lösen", sagt der gelernte Pädagoge.

Beratung vom Sport-Psychologen

In seinem Wirken lässt sich Daniel Thioune dabei immer wieder von einem Sport-Psychologen beraten. "Dieser Austausch hilft mir, bei mir zu bleiben", so Thioune. Auch deswegen begrüßt Thioune die Initiative des HSV, den Profis einen Refelxionscoach zur Seite zu stellen. "Wer das Angebot nutzen möchte, kann das gern tun. Es ist ein offenes Angebot."

"Wir wollen eklig sein"

Nach zuletzt zwei guten Testspielen, dem 2:0 gegen Hertha und dem 1:0 zuvor gegen Feyenoord Rotterdam, freut sich Daniel Thioune auf den Saisonstart mit dem HSV. Man wolle es den Gegner schwer machen: "Wir wollen eklig sein, und ich erwarte, dass wir das dann auch in der 2. Liga und im Pokal zeigen." Viele Spieler und Mitarbeiter des HSV, so sein Eindruck, sind mit viel Herzblut bei der Sache. Und nun gelte es, dies auch mit Leistungen auf dem Platz zu beweisen.

DFB-Pokal: Saison-Auftakt am 14. September

Der Hamburger SV startet am 14. September mit dem ersten Pflichtspiel in die Saison: Dann trifft das Team im DFB-Pokal auswärts auf Dynamo Dresden. Am 18. September folgt der Auftakt in der Zweiten Fußball-Bundesliga mit einem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Sportplatz | 06.09.2020 | 17:00 Uhr

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