Stand: 06.06.2018 16:35 Uhr

Gruppenvergewaltigung: Deutlich härtere Urteile

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Bei der Neuauflage des Prozesses gab es höhere Strafen für die Angeklagten.

Nach der Gruppenvergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens im Hamburger Stadtteil Harburg sind drei der fünf Angeklagten in einem Revisionsprozess zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Landgericht hatte die Angeklagten bereits im Oktober 2016 zu Haftstrafen verurteilt, vier davon jedoch nur zu Bewährungsstrafen. Das Gericht verhängte am Mittwoch Strafen zwischen viereinhalb Jahren und zwei Jahren und neun Monaten Haft.

"Gefühllosigkeit der Tat schockiert"

"Die Gefühllosigkeit dieser Tat hat nicht nur uns, sondern auch die Öffentlichkeit schockiert", hieß es in der Urteilsbegründung. "Die soziale Verarmung ist hier mit Händen zu greifen" sagte die Vorsitzende Richterin. Sie sprach von schädlichen Neigungen und erheblichen Erziehungsdefiziten. Die drei Jugendlichen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 17 Jahre alt waren, sowie ein 21-Jähriger hatten das Mädchen am 11. Februar 2016 auf einer Geburtstagsfeier zuerst betrunken gemacht und dann gemeinsam brutal vergewaltigt. Anschließend legten sie die 14-Jährige bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nur mit Unterwäsche bekleidet im Hinterhof ab.

Bewährungsstrafen für zwei Jugendliche

Der einzige erwachsene Angeklagte, ein damals 21-Jähriger, hatte im ersten Verfahren eine Freiheitsstrafe von vier Jahren erhalten. Er wurde nun zu vier Jahre und sechs Monaten verurteilt. Eine zum Tatzeitpunkt 15-Jährige filmte das Tatgeschehen mit ihrem Handy. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, genauso wie ein damals 16-Jähriger.

Erstes Urteil sorgte für Empörung

Das Landgericht hatte die fünf Angeklagten bereits im Oktober 2016 verurteilt. Das erste Urteil hatte jedoch für Empörung bei vielen in Hamburg gesorgt, denn die Jugendlichen bekamen lediglich Bewährungsstrafen. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob die Urteile auf, bestätigte jedoch die Feststellungen zum Tatgeschehen. Die Richter entschieden, dass die Schwere der Schuld und die Strafen nicht zusammenpassen. In den vergangenen Monaten verhandelte das Landgericht deshalb abermals über den Fall. Der neue Prozess lief seit Januar unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Anders als in der ersten Hauptverhandlung wurde diesmal auch das missbrauchte Mädchen als Zeugin gehört. Für sie und auch alle Angeklagten bat die Richterin die Medien und die Öffentlichkeit, sie jetzt in Ruhe zu lassen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.06.2018 | 17:00 Uhr

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