Stand: 30.01.2019 06:37 Uhr

Größtenteils Entwarnung nach Dioxin-Fund

Die Hamburger Behörden haben nach dem Dioxin-Fund im Naturschutzgebiet Boberger Niederung Entwarnung gegeben. Es gebe keine großflächige Problematik mit hochgiftigen Stoffen, teilten Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) mit. Die Auswertung von 900 Bodenproben hat demnach ergeben, dass in dem Gebiet um die Fundstelle herum keine Dioxin-Belastung besteht. An dem Fundort selbst - am Hang eines Bahndamms - liege der gemessene Wert aber deutlich über den gültigen Grenzen. Eine Sanierung sei deshalb unvermeidbar.

900 Proben im Labor

In dem Naturschutzgebiet war bei einer routinemäßigen Bodenprobe im Sommer des vergangenen Jahres eine um das 700-fache des zulässigen Grenzwerts überhöhte Belastung mit dem hochgiftigen Stoff entdeckt worden. Daraufhin hatte die Stadt ein vier Hektar großes Gebiet absperren und dort weitere 900 Proben nehmen lassen. Auch Beeren, Pilze sowie Fische aus nahe gelegenen Teichen wurden im Labor auf eine mögliche Belastung hin untersucht. Der Fund hatte Erinnerungen an den Dioxin-Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 1980er-Jahren wach werden lassen.

Kerstan: "Keine Extrem-Belastungen"

Umweltsenator Kerstan erklärte am Dienstagnachmittag, der Wert von 700 Mikrogramm Dioxin pro Kilogramm sei im Labor nicht mehr festgestellt worden. Der höchst gemessene Wert habe nun bei 24 Mikrogramm pro Kilogramm gelegen. Damit bleibe der Schadensfund begrenzt, es gebe keine Extrem-Belastungen, so Kerstan. Trotzdem bestehe Handlungsbedarf an der Fundstelle. Denn noch immer seien die Werte dort zu hoch. Derzeit würden Art und Umfang der dafür nötigen Arbeiten geprüft. Das belastete Gebiet bleibt demnach vorerst abgesperrt. Für das Angeln könne es unter bestimmten Voraussetzungen aber wieder eine Erlaubnis geben.

Karte: Sperrung im nördlichen Bereich der Boberger Niederung

Die Hamburger Behörden gehen weiterhin davon aus, dass der Dioxin-Fund am Bahndamm aus der damaligen Pflanzenschutzmittel-Produktion von Boehringer stammt. Wie mögliche Abfälle dort hingekommen seien, bleibe unklar. Die Umweltbehörde ist demnach in Gesprächen mit Boehringer. Zu den möglichen Kosten der Sanierung wollte sich Kerstan nicht äußern. Er gehe aber davon aus, dass Boehringer als Hersteller "zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung steht". Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei dauerten an.

Informations-Veranstaltung mit Anwohnern

Anwohner wurden am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg über die neuen Ergebnisse informiert. Mehr als 250 Bürger kamen. Die Entwarnung der Behörden überzeugte nicht alle. Einige sorgten sich wegen der Langzeitwirkung der giftigen Stoffe. Die Umweltbehörde prüft nun, wie die ein Hektar große betroffene Fläche nun am besten saniert werden kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.01.2019 | 18:00 Uhr

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