Kerzen stehen an Stolpersteinen vor der Talmud-Thora-Schule im Grindel-Viertel. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

"Grindel leuchtet": Erinnerung an ermordete Juden in Hamburg

Stand: 10.11.2020 06:39 Uhr

Unter dem Motto "Grindel leuchtet" haben Anwohnerinnen und Anwohner des Grindelviertels und an anderen Orten der Stadt am Montagabend an die ermordeten Juden in Hamburg erinnert.

Mit Einbruch der Dunkelheit stellten sie Kerzen neben die Stolpersteine, die vor den Häusern auf die ehemaligen jüdischen Bewohner hinweisen. Seit 1995 erinnert der Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt durch kleine Gedenksteine an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Bis jetzt wurden in Hamburg 5.927 Stolpersteine verlegt.

Pogromnacht vor 82 Jahren

Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten in der Pogromnacht Synagogen in ganz Deutschland angezündet. Auch in Hamburg wurden etliche jüdische Einrichtungen zerstört, darunter die Bornplatz-Synagoge am Joseph-Carlebach-Platz in der Nähe der Universität. Das Bethaus war bis 1938 das Wahrzeichen jüdischen Lebens in der Hansestadt. 1933 lebten rund 20.000 Angehörige jüdischer Gemeinden in Hamburg. Nach den Pogromen wurden allein in Hamburg rund 8.000 Juden deportiert und umgebracht.

Senat für Wiederaufbau der Synagoge

Nach einem Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Synagoge an der Hohen Weide Anfang Oktober dieses Jahres hatte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Absicht bekräftigt, die Synagoge am früheren Bornplatz, dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz, wieder aufzubauen. Er erklärte, es gehe darum, jüdisches Leben in der Stadt "zur Normalität werden zu lassen, erfahrbar zu machen auch für diejenigen, die nicht jüdisch, aber interessiert sind". Dazu gehöre der Wiederaufbau der im Nationalsozialismus zerstörten Synagoge.

Die Bürgerschaft hatte sich bereits im Februar dieses Jahres für den Wiederaufbau ausgesprochen. Der Senat erklärte, er unterstütze die Jüdische Gemeinde Hamburg bei der Beantragung von Fördergeldern, die für eine Machbarkeitsstudie gebraucht werden. Die Studie soll klären, wie der Wiederaufbau aussehen könnte.

Kampagne startet

Am Montag startete außerdem eine Kampagne unter dem Motto "Nein zu Antisemitismus.Ja zur Bornplatzsynagoge". Die "Initiative Wiederaufbau Bornplatzsynagoge" will bis zum 27. Januar 100.000 Hamburgerinnen und Hamburger mobilisieren, die sich für den Wiederaufbau einsetzen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.11.2020 | 19:30 Uhr

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