Ermittler in Hamburg haben offenbar Terroranschlag verhindert

Stand: 10.12.2021 15:41 Uhr

Die Hamburger Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben einen islamistischen Terroranschlag vereitelt. Ein 20-Jähriger soll den Bau einer Bombe geplant haben.

Wie Innensenator Andy Grote (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz mitteilte, wurde der Deutsch-Marokkaner bereits am 26. August in der Hansestadt festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der 20-Jährige wollte den Angaben zufolge im Darknet eine Pistole und eine Handgranate kaufen. Dabei geriet er an einen verdeckten Ermittler. Bei einer fingierten Übergabe auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in der Kieler Straße sei der Mann dann von Beamten des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg festgenommen worden.

Chemikalien für Bau eines Sprengsatzes gefunden

Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Rahlstedt seien vor drei Wochen Chemikalien für den Bau eines Sprengsatzes gefunden worden, sagte Grote - darunter ein Kilogramm Kaliumnitrat, ein Kilogramm Schwefel und ein halbes Kilo Holzkohlestaub sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern.

Grote: "Sehr ernster Vorgang"

Grote sprach von einem "sehr, sehr ernsten Vorgang". Die potenzielle Sprengkraft der Chemikalien sei geeignet gewesen, jedenfalls im Nahbereich "erhebliche" Zerstörungen anzurichten. Ein konkretes Anschlagsziel und einen Zeitpunkt für einen möglichen Anschlag wurden nicht genannt. Laut Grote wurden nach weiteren Ermittlungen im Umfeld des Festgenommenen am Mittwoch dieser Woche weitere Wohnungen von insgesamt 16 Kontaktpersonen in mehreren Bundesländern durchsucht - darunter auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen laut Grote davon aus, dass derzeit keine konkrete Anschlagsgefahr besteht. Den Angaben zufolge gibt es keine Hinweise auf weitere Täterinnen oder Täter oder darauf, dass der Beschuldigte einer Terrororganisation angehört.

Generalstaatsanwalt: Haftstrafe bis zu zehn Jahren möglich

Dem 20-Jährigen werden die versuchte Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der versuchte Erwerb einer Kriegswaffe vorgeworfen. Bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht drohe dem Beschuldigten eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren, sagte der Hamburger Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich. Der Beschuldigte habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Vater des Festgenommenen als Islamist bekannt

Der 20-jährige gebürtige Hamburger sei der Sohn eines den Behörden seit langem bekannten Islamisten, sagte der Leiter der Staatsschutzabteilung im LKA, Claus Cortnumme. Der marokkanische Vater habe enge Verbindungen zur Al-Quds-Moschee gehabt, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Angehörigen der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hatten.

2016 zog die Familie den Angaben zufolge vom Hamburger Stadtteil Billstedt nach Marokko, wo der jetzt Festgenommene seinen Schulabschluss machte. Im Herbst vergangenen Jahres kehrte er nach Deutschland zurück und nahm an einem Studienkolleg in Wismar teil. Diesen auf ein Studium vorbereitenden Kurs habe der 20-Jährige nicht bestanden. Er war den Ermittlungen zufolge zwar in Wismar gemeldet, hielt sich aber zumeist in Hamburg auf.

Beschuldigter als introvertierter Einzelgänger beschrieben

Zeugen hätten den Beschuldigten als introvertierten Einzelgänger beschrieben, der regelmäßig die Moschee besuchte und nicht mit Frauen sprach. Der junge Mann habe sich ausgiebig mit Waffen, Sprengstoff und Giften beschäftigt, sagte Cortnumme. Das sei das Ergebnis der Auswertung sichergestellter Datenträger. Auch habe er sich mit Anschlagsplanungen, dem islamistischen Dschihad und dem Märtyrertod auseinandergesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.12.2021 | 15:00 Uhr

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