Stand: 21.07.2020 20:56 Uhr

Elbvertiefung: Unterwegs mit dem Saugbagger

Das derzeit weltgrößte Containerschiff, die "HMM Algeciras", war erst im Juni für drei Tage zu Gast im Hamburger Hafen. Damit solche Riesenschiffe künftig über die Elbe nach Hamburg kommen können, wird derzeit das Fahrwasser auf Hamburger Gebiet verbreitert und vertieft. Im September sollen die Bagger dort fertig sein.

Am Dienstagmorgen um kurz nach 7 Uhr legt das Saugbaggerschiff "James Cook" ab. Der Einsatz dieses Schiffes ist seit mehr als zehn Jahren Streitthema in Hamburg. Zahlreiche Klagen hatten das Großprojekt immer wieder gestoppt - die Gegner klagten bis in die letzte Instanz vor Gericht - und verloren. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied, dass die nach einem ersten Gerichtsurteil geänderten Planungen der Elbvertiefung auf Hamburger Gebiet nicht mehr zu beanstanden sind.

"James Cook" baggert Schlick weg

Die "James Cook" ist eines von insgesamt acht Schiffen, die die Fahrrinne der Elbe bearbeiten. Ihr Auftrag an diesem Dienstag: am Köhlbrand, einer Wasserstraße für Containerriesen, Schlick wegbaggern. Dafür werden zwei Saugköpfe auf den Boden der Elbe gesetzt, je fünf Meter breit. Sie werden gesteuert vom sogenannten Pipe Manager. Der regelt die Geschwindigkeit und Leistung der Pumpen, was unter Wasser ist, zeigen ihm nur die Monitore an.

Saugbaggerschiff "James Cook" auf der Hamburger Elbe unterwegs.
Die "James Cook" ist eines von insgesamt acht Schiffen, die die Fahrrinne der Elbe bearbeiten.

"Baut man sich zum Beispiel ein Einfamilienhaus und hebt die Kellergrube aus, kann der Baggerfahrer ja ganz genau sehen, was er macht", sagt Wolfgang Bode, Leiter Nassbagger-Technik von der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA). "Hier auf dem Wasser kann er es leider nicht, darum wird die Wassertiefe durch eine Peilung festgestellt." Eine Schicht von etwa 70 Zentimetern muss er hier abtragen.

Wichtige Zufahrt zum Terminal Altenwerder

Mehr als 15.000 Tonnen Schlick pumpen die Sauger ins Schiff, mehrere Hundert Lastwagenladungen. Es ist die Vorarbeit, die tieferen Schichten übernimmt danach ein anderes Baggerschiff. "Hier am Ende der Bundeswasserstraße liegt das modernste Terminal, Altenwerder, und es ist darum eine besonders wichtige Zufahrt", sagt Claudia Flecken von der HPA. "Darum ist es wichtig, dass wir die Vertiefung zeitgerecht hinbekommen."

Naturschützer kritisieren Elbvertiefung

Naturschützerinnen und Naturschützer befürchten dagegen, dass die jetzt neunte Elbvertiefung das Ökosystem durcheinanderbringt, Fischen und Pflanzen schadet. Dem widersprechen sie hier bei der HPA, verweisen auf die Erlaubnis des Bundesverwaltungsgerichts. "Natürlich versuchen wir hier, auch unsere Unterhaltungsarbeiten so zu steuern und zu optimieren, dass wir auf die ökologischen Aspekte Rücksicht nehmen", sagt Flecken.

Auf insgesamt rund 120 Kilometern soll die Elbe zwischen Hamburg und der Nordsee vertieft werden. Dorthin macht sich am Mittag die "James Cook" auf den Weg. Um den eingesaugten Schlick abzuladen.

VIDEO: Darum geht's: Elbvertiefung (2 Min)

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Tote Fische schwimmen an der Wasseroberfläche. © picture Alliance/dpa

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Umweltverbände haben wegen des Fischsterbens in der Elbmündung Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Sie fordern zudem, dass die Baggerarbeiten für die Elbvertiefung gestoppt werden. (24.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.07.2020 | 19:30 Uhr

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