Elbvertiefung: Schiffe können erstmals mit mehr Tiefgang kommen

Stand: 03.05.2021 13:42 Uhr

Vor rund anderthalb Jahren hatten die Baggerarbeiten für die inzwischen siebte Elbvertiefung begonnen. Am Montag hat nun zum ersten Mal ein Schiff den Hamburger Hafen angelaufen, das mehr Ladung als bislang mitnehmen kann.

Vorneweg fuhr ein Feuerlöschboot mit Wasserfontänen, dann kam der Megafrachter "Jacques Saade" als erstes Schiff, das dank der Ausbaggerungen trotz seines Tiefgangs Hamburg ansteuern konnte. "Das ist ein besonderer Tag, nicht nur für den Hafen, sondern auch für die Reeder, die jetzt die Möglichkeit haben, mit ihren Schiffen Hamburg besser anzulaufen", sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos).

Schiffe dürfen nun 90 Zentimeter mehr Tiefgang haben

In einem ersten Schritt dürfen Frachter bis zu 90 Zentimeter mehr Tiefgang haben. Bei einem Schiff wie der "Jacques Saade" heißt das 1.000 voll beladene Container mehr. Ein wichtiges Signal an Reeder weltweit, so Hafenkapitän Jörg Pollmann: "Wir hoffen natürlich, dass es wieder mehr wird, dass wir wieder mehr Schiffe im Hamburger Hafen haben."

In den kommenden Monaten sollen Kapitäne und Lotsen nun Erfahrungen sammeln, wie sich tiefer beladene Schiffe auf der Elbe bewegen. Nach dem Sommer wird dann gemessen, ob die Böschungen unter Wasser stabil sind.

VIDEO: Die Elbvertiefung ist weitgehend abgeschlossen (1 Min)

Bündnis "Lebendige Tideelbe" kritisiert die Freigabe

Die im Bündnis "Lebendige Tideelbe" zusammengeschlossenen Umweltverbände BUND, Nabu und WWF kritisierten dagegen die Freigabe: "Es ist skandalös, dass das Flussökosystem der Elbe massiv und dauerhaft geschädigt wird, und dies ohne absehbaren wirtschaftlichen Nutzen." Der rund 130 Kilometer lange Abschnitt der Elbe zwischen Hamburg und der Nordsee zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands.

Kosten belaufen sich auf rund 800 Millionen Euro

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Fluss dort sechsmal den Anforderungen der Schifffahrt angepasst, zuletzt 1999. Diesmal wurde der Fluss so ausgebaggert, dass auf ihm Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Meter unabhängig von Ebbe und Flut fahren können. Tideabhängig soll die Elbe für Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 14,50 Metern passierbar sein. Die Kosten für die Elbvertiefung werden auf rund 800 Millionen Euro geschätzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.05.2021 | 13:00 Uhr

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