Corona-Impfgegner sorgen mit Flugblättern für Ärger

Stand: 13.02.2021 07:41 Uhr

Immer wieder tauchen in Hamburger Briefkästen Flugblätter von den "Ärzten für Aufklärung" auf. Die Initiative gehört zu den hartnäckigsten Corona-Leugnern - sie verharmlost das Coronavirus und warnt vor Impfungen.

Walter Weber, Ärzte für Aufklärung, äußert sich zur Corona-Pandemie.
"Dadurch, dass wir uns mit dieser Maske schützen, schaden wir unserem Immunsystem", sagt der Hamburger Arzt Walter Weber.

Offensiv wird auf den Flugblättern behauptet, die Pandemie sei eine Erfindung von Regierungen und Medien. Die Impfkampagne würde 80.000 Todesopfer fordern. Gründer und Anführer der Bewegung ist der Hamburger Arzt Walter Weber, der unter anderem vor Schutzmasken warnt: "Sie brauchen einen normalen Austausch mit Viren und Bakterien, um ein Immunsystem zu haben", sagte er Ende vergangenen Jahres am Rande einer Demonstration. "Dadurch, dass wir uns mit dieser Maske schützen, schaden wir unserem Immunsystem."

Die mittlerweile nicht mehr öffentlich zugängliche Unterstützerliste der "Ärzte für Aufklärung" enthält mehrere Hundert Anhängerinnen und Anhänger, darunter auch rund ein Dutzend Ärztinnen und Ärzte aus Hamburg.

Ärztekammer sieht keine Handhabe, Staatsanwalt ermittelt

Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Pedram Emami, sagte dem Hamburg Journal dazu: "Wenn jemand im privaten Rahmen seine Meinung äußert - so irrsinnig seine Meinung auch sein mag - dann hat die Kammer natürlich keine Möglichkeit einer Handhabe." Da könne man nur auf Aufklärung setzen und darauf hoffen, "dass die Zuhörer klug genug sind, sich nicht jeden Quatsch anzuhören".

Eine Person hält ein Flugblatt in der Hand.
Ein Flugblatt der "Ärzte für Aufklärung".

Die Ärztekammer kann nur bei Verstößen gegen Berufspflichten tätig werden. Im Fall von Walter Weber gibt es diesen Verdacht: Er soll Atteste gegen die Maskenpflicht ausgestellt haben, ohne die Patienten und Patientinnen jemals gesehen zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Tipps in Messenger-Foren

In Foren des Messenger-Dienstes Telegram sind Namen von Ärzten und Ärztinnen, die solche Atteste ausstellen, heiß begehrt. In einem Hinweis dort heißt es etwa: "Ruf am besten an und sag am Telefon, dass Du einen Termin für Deine Tochter brauchst. Es geht um Kopfschmerzen."

In einem solchen Forum ist auch der Leiter eines Hamburger Pflegedienstes aktiv, der mit dem Slogan "Kompetent und Zuverlässig" wirbt. Auf seiner Homepage vertritt er die einschlägige Kritik gegen Staat und Medien, bezweifelt den Sinn von Tests und Impfstoffen - und warnt vor dem Tragen von Schutzmasken. Wie man sich so um die schutzbedürfdigste Gruppe von Menschen kümmern möchte, kann er nicht erklären.

Juristisch "von der Meinungsfreiheit geschützte Stellungnahme"

Pedram Emami
Ärztepräsident Pedram Emami (Archivfoto) spricht von einer "verschwindend kleine Gruppe" von Ärzten.

Juristisch sind Corona-Leugner unter Ärzten und Ärztinnen kein Thema - sofern sie nicht das Vertrauen in das gesamte Gesundheitssystem gefährden. Jens Prütting von der Bucerius Law School sagt dazu: "Wenn sie sich partiell auf fragwürdige Tatsachen berufen, dann ist es trotzdem regelmäßig eingekleidet in eine Meinung und damit immer noch eine von der Meinungsfreiheit geschützte Stellungnahme - so lange es nicht bewusst und zielgerichtet falsch ist."

Dass Ärzte und Ärztinnen ihre vermeintlich medizinische Expertise nutzen, um die Arbeit ihrer seriösen Kollegen und Kolleginnen zu torpedieren, ist für die Ärztekammer zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch. "So anstrengend und nervig dieses Thema mit diesen Kolleginnen und Kollegen ist: Sie sind bei Weitem nicht die Mehrzahl", sagt Ärztekammer-Präsident Emami. "Das ist eine verschwindend kleine Gruppe." Die Ärztekammer setzt darauf, dass sich spätestens mit dem Ende der Pandemie Gruppierungen wie die "Ärzte für Aufklärung" erledigen.

Weitere Informationen
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Was ist dran an den Behauptungen der Corona-Leugner? Der faktenfinder hat nachgehakt. extern

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.02.2021 | 19:30 Uhr

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