Stand: 09.12.2016 18:08 Uhr

CDU zieht mit Männerriege in die Bundestagswahl

Die Hamburger CDU hat am Donnerstagabend ihre Kandidatenliste für die Bundestagswahl 2017 bestimmt. Wie NDR 90,3 am Freitag berichtete, zieht die Partei ohne eine Frau auf einem der aussichtsreichen Listenplätze in den Wahlkampf. Auf dem kleinen Parteitag im Bürgerhaus Wilhelmsburg wurde deshalb erbittert über die Frauenfrage gestritten.

So emotional wie selten

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Christoph de Vries setzt sich bei der Hamburger CDU im Kampf um Listenplatz drei durch.

Es kam zu Pöbeleien, es wurde gebuht - selten verlief eine Kandidatenaufstellung bei der CDU so emotional wie am Donnerstagabend. CDU-Urgestein Karl-Heinz Warnholz sagte: "Wir lieben die Frauen. Wir brauchen die Frauen. Aber in diesem Fall spreche ich mich für Christoph de Vries aus." De Vries war von 2011 bis 2015 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Er setzte sich am Abend bei einer Kampfkandidatur um Listenplatz drei gegen die Bundestagsabgeordnete Herlind Gundelach durch.

Gelächter unterbricht die Reden von Frauen

Neben ihm werden Marcus Weinberg, Rüdiger Kruse und Christoph Ploß auf den aussichtsreichsten Listenplätzen für die CDU bei der Bundestagswahl antreten. Sehr zum Ärger der Parteifrauen. Sie warnten: Eine Partei, die nur von Männern dominiert werde, passe nicht ins 21. Jahrhundert und könne keine Wählerinnen und Wähler überzeugen. Immer wieder wurden die Redebeiträge der Frauen mit Gelächter und Zwischenrufen unterbrochen. Ein Delegierter öffnete demonstrativ den Ploppverschluss seiner Bierflasche.

Heintze: "Wir haben kein Problem mit Frauen"

Parteichef Roland Heintze verteidigte das Ergebnis des Parteitages im Gespräch mit NDR 90,3. "Es ist eine Personalentscheidung getroffen worden. Die sind immer kontrovers. Das war vor vier Jahren auch so. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir ein Problem mit Frauen haben. Ganz im Gegenteil, wir haben mit 38 Prozent einen der weiblichsten Landesverbände überhaupt." Außerdem würde die Partei nicht nur Männer nach Berlin schicken. In der Tat steht Herlind Gundelach nun auf dem fünften Listenplatz. Die Hamburger CDU ist derzeit mit fünf Abgeordneten im Bundestag vertreten. Die Satzung der Bundes-CDU sieht allerdings vor, dass auf den Listenplätzen eins bis drei mindestens eine Frau vertreten sein soll.

Prien: Kann sich die CDU nicht noch einmal leisten

Die Vize-Vorsitzende der CDU-Fraktion, Karin Prien, sagte am Freitag bei NDR 90,3, das Ergebnis vom Donnerstag müsse man als Demokratin respektieren. Aber spätestens bei der Aufstellung zur Bezirks- und Bürgerschaftswahl in Hamburg müssten die Parteirichtlinien eingehalten werden. "Also aus meiner Sicht ist spätestens seit gestern deutlich, dass die CDU sich ein solches Aufstellungsverfahren nicht noch einmal leisten kann", erklärte sie.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.12.2016 | 18:00 Uhr

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