Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg © dpa/picture alliance Foto: Markus Scholz

Biontech-Begrenzung: Hamburgs Kassenärzte kritisieren Spahn

Stand: 21.11.2021 13:28 Uhr

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann, hat Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) dafür kritisiert, die Belieferung mit dem Impfstoff von Biontech rationieren zu wollen.

"In welcher Welt muss man leben, um zu diesem Zeitpunkt eine solche Entscheidung zu treffen?", sagte Plassmann am Sonnabend in Hamburg. "Die Booster-Impfkampagne nimmt gerade Fahrt auf, diese Entscheidung wird sie sofort wieder abwürgen." Auch der Hausärzteverband Hamburg kritisierte die Anordnung. "Wird es dabei bleiben, müssen viele Praxen aus dem Impfen aussteigen", hieß es in einer Mitteilung. Die "ständigen aktionistischen Änderungen" seien nicht mehr tragbar. "Wir stecken mitten in einer Pandemie, dieses unnötige Chaos muss aufhören!"

Spahn: Impfstoff von Moderna soll nicht verfallen

Spahn hatte am Freitag verfügt, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ab kommender Woche noch fünf Fläschchen pro Woche erhalten sollten, das entspricht 30 Dosen. Im Übrigen solle der Impfstoff von Moderna gespritzt werden. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was aber vermieden werden müsse.

Plassmann befürchtet "endlose Diskussionen mit Impflingen"

Plassmann wies darauf hin, dass die Impftermine nicht nur auf viele Wochen im Voraus vergeben worden sind, sondern dass sie auch auf einen bestimmten Impfstoff gebucht sind. "Wenn jetzt statt Biontech das Mittel von Moderna gespritzt werden soll, wird dies zu endlosen Diskussionen mit den Impflingen führen", warnte Plassmann. Zwar gebe es keinen nennenswerten qualitativen Unterschied zwischen beiden Wirkstoffen, aber die Menschen seien auf Biontech eingestellt.

Plassmann schlug vor, den Impfstoff von Moderna zu einem späteren Zeitpunkt und mit ausreichender Vorlaufzeit sukzessive in die Impfkampagne zu geben. Dann habe man auch Zeit, für Vertrauen zu werben. Bleibe es bei der Hauruck-Aktion, dann würden die Impfzahlen spürbar zurückgehen.

Kritik auch von Sozialsenatorin Leonhard

Auch Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sieht die Pläne von Bundesgesundheitsminister Spahn, Moderna statt Biontech zu verimpfen, kritisch. "Was auch immer der Bundesgesundheitsminister mit diesen kurzfristigen Ankündigungen beabsichtigt - es ist nicht hilfreich", sagte Leonhard am Sonntag. Mehr Menschen von einer Impfung zu überzeugen und gleichzeitig nach und nach viele Hunderttausend Auffrischungsimpfungen zu verabreichen, sei eine große Aufgabe. "Diese Aufgabe können wir gemeinsam lösen, aber das ist schon für sich nicht ganz leicht", meinte die Senatorin. "Wir brauchen dafür die zielstrebige Zusammenarbeit aller Beteiligten, von der Arztpraxis bis in die Hauptstadt. Was wir nicht brauchen können, sind nicht nachvollziehbare, kurzfristige politische Kurswechsel." Stattdessen brauchen wir Planungssicherheit, "um auch allen Impfwilligen ein verlässliches Angebot machen zu können".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.11.2021 | 17:00 Uhr

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