Blick in einen Gerichtssaal des Landgerichts in Hamburg: Drei Männer sind angeklagt, weil sie einen 55-Jährigen verprügelt haben sollen.

Beim Gebet gestört? Prozess um Prügelattacke auf Autofahrer

Stand: 25.02.2021 13:00 Uhr

Drei Angeklagte im Alter von 21 bis 27 Jahren sollen im vergangenen Oktober einen Mann in einer Toreinfahrt in St. Georg verprügelt haben - offenbar weil er sie beim Gebet gestört hatte.

Zum Start des Prozesses am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht schilderte das mutmaßliche Opfer, ein 55 Jahre alter Mann, seine Sicht der Dinge. Demnach wollte er damals durch seine Toreinfahrt fahren, wo drei junge Männer saßen und beteten. "Da muss jemand vorbei, und wir haben Corona", will er den Muslimen zugerufen haben. Außerdem habe er gehupt.

Geschlagen, getreten und bespuckt

Da hätten die drei Männer die Türen seines Wagens aufgerissen und ihn geschlagen, getreten und bespuckt. "Am schlimmsten war das Spucken", sagte der 55-Jährige vor Gericht. Die Angeklagten sagten dazu nichts.

Ein Angeklagter stand schon vor Gericht

Einer von ihnen ist ein Salafist, der schon lange vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Vor drei Jahren saß der heute 24-Jährige schon einmal vor Gericht. Er hatte versucht, zusammen mit Glaubensbrüdern nach Syrien auszureisen und für die Terrorgruppe "IS" zu kämpfen. Eine Richterin nannte ihn damals einen "typischen Gefährder". Seine eigenen Eltern hatten sich immer wieder an die Polizei gewandt, weil sie hilflos mit ansehen mussten, wie ihr Sohn sich immer weiter radikalisierte.

Damals musste er nicht ins Gefängnis, er bekam Bewährung. Jetzt sitzt er wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.02.2021 | 13:00 Uhr

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