Stand: 19.09.2017 15:29 Uhr

BUND legt Petition gegen Fluglärm vor

Viele Menschen leiden in und um Hamburg unter dem Krach von in Fuhlsbüttel landenden Flugzeugen. Umweltschützer und Anwohner haben nun den Druck auf die Politik erhöht und eine lange Unterschriften-Liste für ein konsequentes Nachtflugverbot ab 22 Uhr vorgelegt. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist es die erfolgreichste Volkspetition in Hamburg. Knapp 15.000 Unterschriften bekamen die Umweltschützer innerhalb kürzester Zeit zusammen, notwendig wären nur 10.000 gewesen. Fünf pralle Aktenordner wurden am Dienstag einem Vertreter der Hamburgischen Bürgerschaft übergeben.

Nachts soll Ruhe sein

Die Forderung der im März gestarteten Volkspetition mit dem Titel "Einmal aufwachen reicht": Nachts muss am Flughafen Ruhe sein und das soll mit einem konsequenten Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr an Werktagen und von 22 bis 8 Uhr an Sonn- und Feiertagen erreicht werden. "Wir haben in den letzten Monaten mit vielen Leuten gesprochen und der Lärm geht wirklich in die Lebensqualität rein", sagte BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch zu NDR 90,3. "Zigtausende sind betroffen und fühlen sich durch Fluglärm ab 22 Uhr tatsächlich auch massiv gestört."

Allein im vergangenen Jahr gab es mit knapp 90.000 Beschwerden zehnmal so viele Beschwerden über Fluglärm wie noch im Jahr 2015. Und in diesem Jahr wächst der Flughafen Hamburg überdurchschnittlich. Wie NDR 90,3 berichtete, wurden im August rund zwölf Prozent mehr Passagiere in Fuhlsbüttel abgefertigt als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig stieg auch die Zahl der verspäteten Flüge stark an. 125 Mal kamen Maschinen erst nach 23 Uhr in Hamburg an oder starteten von hier aus. Das waren laut Flughafenbetreiber doppelt so viele wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Braasch sprach vom "bisher lautesten Jahr am Flughafen".

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Verspätungsregel greift nicht

Eigentlich sollte ein 16-Punkte-Plan-Abhilfe schaffen. Er sieht unter anderem eine neue Verspätungsregelung für Maschinen vor, die am späten Abend landen. Demnach erhöhen sich beispielsweise die Landeentgelte ab 23 Uhr im Viertelstundentakt. Für einen A 320 etwa kostet der Anflug auf Hamburg normalerweise 3.000 Euro - wenn er bis 22 Uhr aufsetzt. Verspätet er sich und landet erst um 23.30 Uhr, zahlt er 4.500 Euro Landegebühr und damit 1.000 Euro mehr als bislang. Das sieht die neue Entgeltordnung des Aiports (Link zum pdf-Dokument) vor.

Von Januar bis August griff diese Verspätungsregelung bei 685 Flügen, im Gesamtjahr 2016 traf sie auf 774 Flüge zu. "Erkennbar greift diese Regelung nicht so, wie sie soll", sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. "Wir haben jetzt Rekordzahlen bei den Verspätungen in diesem Sommer gehabt, die auch uns unzufrieden machen."

Bürgerschaft ist am Zug

SPD und Grüne wollen nun erneut mit den Airlines verhandeln. Notfalls werde nochmal an der Gebührenschraube gedreht, erklärte Dressel. Die Bürgerschaft prüft nun, ob die Unterschriften für eine Volkspetition gültig sind. Sind die formal notwendigen 10.000 Unterschriften eingegangen, muss sich die Volksvertretung mit dem Anliegen befassen. Zunächst werden dann BUND-Vertreter im Umweltausschuss angehört, anschließend trifft die Bürgerschaft ihre Entscheidung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.09.2017 | 15:00 Uhr

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