Stand: 15.03.2018 16:51 Uhr

Hamburger Diesel-Fahrer gewinnt Prozess gegen VW

Das Hamburger Landgericht hat Volkswagen Hamburg dazu verurteilt, ein Dieselfahrzeug mit gefälschten Abgaswerten zurückzunehmen und gegen einen Neuwagen auszutauschen. Der Anwalt des Klägers sprach von einem "Non-Plus-Ultra-Urteil", das Strahlkraft auf andere ausstehende Prozesse haben werde. Noch nie habe ein VW-Kunde in so vielen Punkten Recht bekommen.

Gericht sieht Anspruch auf Neuwagen

Sein Mandant hatte vor drei Jahren bei Volkswagen Hamburg einen VW Tiguan gekauft - eines der Dieselfahrzeuge, das durch falsche Abgaswerte auffiel. Aus Angst, sein Auto könnte stillgelegt werden, ließ der Kunde die Software nachrüsten. Das Landgericht entschied nun: Trotz der Nachrüstung hat der Mann Anspruch auf einen einwandfreien Neuwagen. Denn der Käufer könne beim Kauf eines Autos erwarten, dass das Fahrzeug die versprochenen Abgaswerte einhält. Außerdem könne die Nachrüstung des drei Jahre alten Autos zur Folge haben, dass der Wagen schneller verschleiße. Das wäre dem Autokäufer nicht zuzumuten, befanden die Richter.

VW: Nur ein Urteil von vielen

Der Autohändler kann das Urteil vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht anfechten. Volkswagen Hamburg wollte sich auf Anfrage von NDR 90,3 nicht zu dem Urteil äußern. Die VW-Zentrale in Wolfsburg betonte, das Hamburger Urteil sei nur eines von vielen. Andere Gerichte hätten häufig zugunsten der Autohersteller entschieden. Sollte VW Hamburg in Berufung gehen, würde der Autokäufer sehr wahrscheinlich doch noch verlieren, so Volkswagen.

Der Verkehrsclub Deutschland erklärte, das Urteil werde den Druck auf VW und andere Autohersteller erhöhen. Auf jeden Fall werde es teuer für die Konzerne. Die Umweltschutzorganisation BUND meinte, es sei deutlich geworden, dass betrogene Autobesitzer einen Anspruch auf Entschädigung hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.03.2018 | 17:00 Uhr

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